Walter (Hrsg.), Vater, wer bist du?

Heinz Walter (Hrsg.), Vater, wer bist du? Auf der Suche nach dem „hinreichend guten“ Vater (Leben Lernen 211). Klett-Cotta, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-608-89067-9. 294 Seiten, € 24,50.

 

Ein Sammelband, herausgegeben von dem Konstanzer Psychologen Heinz Walter, der sich bereits durch einschlägige Publikationen in der deutschsprachigen Väterforschung einen Namen gemacht hat. Zu erinnern ist nur an den von ihm im Jahre 2002 im Psychosozial-Verlag herausgegebenen voluminösen Band „Männer als Väter. Sozialwissenschaftliche Theorie und Empirie“. Entsprechend kenntnis- und materialreich ist sein einleitender Beitrag „Das Echo der Vatersuche“ (S. 9-44), in dem er die Väterliteratur der letzten Jahre und Jahrzehnte Revue passieren lässt. Ein dem Artikel beigefügtes siebenseitiges Literaturverzeichnis belegt eindrücklich, wie das Interesse am Thema Väter gerade in den letzten Jahren enorm gewachsen ist und in Literatur, Publizistik und Wissenschaft deutliche Spuren hinterlassen hat.

Mit dem gestelzten Begriff des „hinreichend guten“ Vaters im Untertitel habe ich mich im ersten Moment etwas schwergetan. In der Sache freilich trifft es den Kern dessen, was auch in der kirchlichen Männerarbeit sicherlich konsensfähig ist. Walter beschreibt das Anliegen folgendermaßen: „so sollten nicht nur Paare, sondern auch im psychosozialen Feld Tätige und Forscher nach positiver Väterlichkeit und den dazu beitragenden Voraussetzungen – möglicherweise in verschiedenen Spielarten – verstärkt Ausschau halten; und zwar nach konkret gelebten und lebbaren Spielarten“ (S. 33). Jenseits aller Idealvorstellungen vom perfekten Vater, sei er nun als „neu“, „engagiert“, „präsent“ und wie auch immer etikettiert, geht es darum, Väter in ihrer Rolle zu stützen und unterstützen. Es geht darum, Männer zu einer authentischen, für sie lebbaren und für die Kinder erlebbaren Väterlichkeit zu ermutigen (vgl. dazu die abschließenden Überlegungen dreier Praktiker aus der Väterarbeit auf S. 268 290).

Mittlerweile ist es ja eine Binsenweisheit, dass eine so verstandene Väterlichkeit nicht nur den Kindern gut tut, sondern auch die Paarbeziehung stärkt und schließlich auch für die Männer selber einen hohen persönlichen Gewinn darstellt. Deutlich wird das nicht zuletzt an den einzelnen Beiträgen des vorliegenden Sammelbandes. Unter den Überschriften „Der fantasierte Vater“, „Der Vater kommt ins Bild“, „Der präsente Vater“, „Der lebenslange Vater“, „Der rettende Vater“, „Der nicht ‚hinreichend gute‘ Vater“, „Der tragische Vater“ und „Der lernende Vater“ ist an konkreten Fallbeispielen zusammengetragen, was Mangel an authentischer Väterlichkeit auslösen kann und wie lebenswichtig umgekehrt „hinreichend gute“ Väter in den unterschiedlichen Familienkonstellationen sind.

Damit Väter aber „hinreichend gut“ sein können – auch das eine Botschaft des Buches –, braucht es neben eigenen Anstrengungen einerseits gute Rahmenbedingungen (die trotz Papamonaten u. Ä. bekanntermaßen längst noch nicht verwirklicht sind) und andererseits Unterstützungsangebote, die Männern helfen, ihre väterlichen Kompetenzen zu stärken. Diese Angebote sollten so früh wie möglich erfolgen. Konsequenterweise sind daher am Ende (S. 291f.) Internetadressen von Anbietern in Sachen Väterarbeit aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengestellt. Soweit so gut. Aber auch hier gilt: Kein Licht ohne Schatten. Mittlerweile ausgesprochen ärgerlich – weil auch schon an anderer Stelle beobachtet – finde ich es, dass in diesem Anhang nur säkulare Stellen erscheinen. Die kirchliche Männerarbeit fehlt in dieser Liste, so als gäbe es dort keine Väterarbeit. Ob das wirklich nur damit zusammenhängt, dass in den Internetadressen der evangelischen und katholischen Männerarbeit die Wörter Väter resp. Väterarbeit im Titel fehlen und diese Seiten beim Googeln unter diesen Stichworten deshalb nicht direkt angezeigt werden?

Andreas Ruffing

 

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