Walter (Hrsg.), Männer als Väter.

Heinz Walter (Hg.), Männer als Väter. Sozialwissenschaftliche Theorie und Empirie (Forschung psychosozial). Psychosozial-Verlag Gießen 2002. ISBN 389806140X. 861 Seiten, € 49,90.

Mit dem voluminösen Sammelband legt der Herausgeber, Professor für Psychologie an der Universität Konstanz, einen überaus informativen Überblick über die deutschsprachige sozialwissenschaftliche Väterforschung der letzten Jahre vor. Gegliedert nach fünf Themenblöcken (Vater und Vaterschaft – eine aktuelle Bestandsaufnahme; Variationen von Vaterschaft; Männer erleben sich als Väter; Väter und ihre Kinder – unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlichen Alters; die Vater-Kind-Dyade, die Vater-Mutter-Kind-Triade), zeigt sich in 23 Beiträgen von Autorinnen und Autoren aus Psychologie, Soziologie, Biologie, Psychiatrie und Rechtswissenschaft das ganze Spektrum von Fragestellungen, Theorieansätzen, Untersuchungsverfahren und Interpretationsmustern heutiger Väterforschung. Auf diese Weise belegt der Band eindrucksvoll den multidisziplinären Charakter der sozialwissenschaftlichen Väterforschung in Deutschland. Freilich machen die einzelnen Beiträge jedoch auch deutlich, dass noch viel nebeneinander her geforscht wird und ein Gespräch zwischen den einzelnen Fachgebieten nur ansatzweise stattfindet. So ist mit dem Herausgeber (Vorwort, S. 10) in der Tat zu wünschen, dass gerade der vorliegende Band das notwendige interdisziplinäre Gespräch weiter anregt und fördert.

Eine detaillierte Besprechung der einzelnen Beiträge würde den Rahmen einer Rezension sprengen. Durchgehend lässt sich jedoch beobachten – und hier sehe ich auch den besonderen Wert des Buches –, dass das Interesse der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Männern, die Väter sind, und den Kontexten, in denen sie leben und handeln, gilt und somit eine einseitige Fokussierung nur auf die Bedeutung der Väter für die Entwicklung der Kinder vermieden wird. Der einleitende Beitrag des Herausgebers, der wichtige Etappen der Väterforschung seit den 60er Jahren nachzeichnet und die nachfolgenden Beiträge in die aktuelle Forschungslandschaft einordnet, hilft vor diesem Hintergrund gerade dem fachfremden bzw. nicht im Wissenschaftsbetrieb stehenden Leser, sich in dem vielfältigen Kosmos heutiger Väterforschung, den der Band repräsentiert, zurechtzufinden. Erfreulicherweise ist jedem Beitrag ein knappes Summary in Deutsch und Englisch vorangestellt, das eine erste Orientierung ermöglicht; die benutzte Literatur ist jeweils am Ende jeden Beitrages aufgeführt. Auf ein Gesamtliteraturverzeichnis wurde verzichtet, ebenso leider auch auf ein Sachregister, das gerade bei einer solchen Publikation wünschenswert und notwendig wäre. Im Anhang finden sich dann noch Informationen zu den Autorinnen und Autoren.

Wer auf eine solide und seriöse Information über Stand und Ergebnisse heutiger Väterforschung Wert legt, wird an dem vorliegenden Band nicht vorbeigehen können. Dies gilt nicht zuletzt auch für alle diejenigen, die in den unterschiedlichen Praxisfeldern, sei es in Beratung, Seelsorge, Familien- und Männerarbeit, mit der Zielgruppe Väter zu tun haben.

 

Andreas Ruffing

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