Soethof, Väter können das auch!

Fabian Soethof, Väter können das auch!, Kösel Verlag, München 2022

Der Autor ist ein Redakteur und Blogger über das Eltern sein. In seinem Vorwort zu dem Buch stellt er fest, dass immer weniger Väter abwesend sein wollen. Viele Paare wollen gleichberechtigter leben, als es ihre Eltern getan haben. Daher braucht es ein Plädoyer für eine private, gesellschaftliche und politische Veränderung von Familie, Vereinbarkeit und Rollenbilder. Der Autor möchte Väter dazu einladen, ihre Rolle zu reflektieren, zu hinterfragen und sich von überholten Erwartungshaltungen zu befreien.

Über Generationen war der Vater der Ernährer und plötzlich soll er sich um die Kinder kümmern? Der Schwerpunkt des Buches liegt auf heteronormative Paarbeziehungen zwischen Cis Menschen. Väter sollen sein dürfen, wer sie wollen.

Die Überschriften im Buch lauten: Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo gehen wir hin? Dazu gibt es Portraits von Vätern, Interviews mit Väterforschern, Literatur und Zahlen zu Care Arbeit.

Wo wir herkommen?
Es liegt an uns, die stets als gegebenen Rollenbilder nicht unhinterfragt zu unseren eigenen zu machen. (Hausaufgabe an den Leser und Leserin: Wie wuchsen deine Eltern und Großeltern auf, frag mal nach). Könnten wir Männer einfach so weiterleben wie bisher? Zum Überleben würde es reichen. Zum besseren, erfüllteren und selbstbestimmteren Leben nicht. Warum kommt ein Wandel unserer Rollenbilder nur schleppend voran? Der Autor sieht zum einen eine Anstrengungsvermeidung (Das Bekannte fällt leichter, weil wir dafür Vorbilder und Routinen haben). Wenn bsp. ein Kind kommt, muss man sehr viel psychische Mühe aufbringen, um es an allen Fronten anders zu machen, also ist oft Bequemlichkeit mit im Spiel. Väter fehlt es oft an realistischen Vorbildern, viele wollen ihre Rolle ernst nehmen, wissen aber nicht, wie das funktionieren soll.

Wo wir stehen?
Wie sind unsere Rollenbilder entstanden? Männer werden nicht gefragt, ob und wann sie Kinder bekommen wollen oder wie sie Kinder mit ihrer Karriere vereinbaren wollen. Der Autor wollte jederzeit für seine Kinder da sein und sich im Job engagieren und das ist halbherzig geblieben.
Er berichtet, dass er manchmal froh war, sich in die Arbeit zu flüchten. Er hatte irgendwie eine Art von Abwechslung im Alltag. Es gibt zwar öffentlich sichtbare Vorbilder zu gleichberechtigter Aufteilung der Care Arbeit, wir handeln aber oft anders. Das müssen wir uns bewusst machen. Der Nutzen für die Männer: Sie lernen ihre Gefühle zu adressieren. Sie bekommen ein Gespür für ihre Gesundheit oder Krankheit sowie eine bessere Stress-, Konflikt- und Organisationskompetenz.

Wo wir hingehen sollten
Es geht nur zusammen, nicht gegeneinander. Auch mal die Perspektive der Frauen einnehmen. Und wie kann der Wandel beschleunigt werden? Werdende Eltern sollten frühzeitig ihre Rollen diskutieren.  Besonders bei Themen, die dem eigenen Geschlecht selten zugeschreiben werden, es braucht mehr männliche Vorbilder, idealerweise Vorgesetzte. Was haben die Kinder von alledem? Kinder bekommen durch weitere Bezugspersonen andere Impulse oder andere Werte mit. Eine sichere Bindung -z.B. auch durch Elternzeit- erspart dem Staat Folgekosten. Männer bewegen sich oft in einer Einbahnstraße aus Karriere, Statuserwerb und Dauerverfügbarkeit. Das hat auch mit Erwartungen der Gesellschaft zu tun.
Mit welchen Instrumenten können Wirtschaft und Politik unterstützen? In dem Buch werden Vaterschaftsurlaub, verpflichtende Elternzeit und Abschaffung des Ehegattensplittings genannt.

Ein Elternteil muss Erwerbsarbeit reduzieren und mehr Sorgearbeit übernehmen und der andere umgekehrt. Denn solange es eine Gender Care Gap gibt, der nach der Familiengründung größer wird, wird es einen Gender Pay Gap geben. Erstrebenswert ist eine 32 Stunden Woche für Männer und Frauen.

Wer die angesprochenen Themen ernst nimmt, wird vielleicht ein bewussterer Vater werden. Was nicht heißt, dass man nicht oft in alte Muster zurückfällt. Viele von uns leben noch wie ihre Eltern. Warum leben und arbeiten wir versuchsweise nicht so, wie wir es uns auch für uns eines Tages erwachsenen Kinder wünschen?

Gut haben mir in dem Buch die „Hausaufgaben“ am Ende der Kapitel (Fragen zum Nach- und Weiterdenken) gefallen. Damit Gleichberechtigung vorankommt, braucht es eine private, gesellschaftliche und politische Veränderung von Familie, Arbeit, Vereinbarkeit und Rollenbildern. Das Buch ist ein Anstoß für Väter, Neues anzugehen und herauszufinden, wie das geht.

Jürgen Döllmann

Stichworte: Vater, Männer Heute, Care

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