Franz, Karger (Hg.) Männliche Erotik

Matthias Franz, André Karger (Hg.) Männliche Erotik, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2023

Der Sammelband mit den mit Ergebnissen eines Kongresses stellt die Frage nach der männlichen Erotik. Erotik verweist dabei nicht nur auf das eigene aktive Begehren, sondern auch passiv auf das mögliche Begehren und die Entfaltung der Triebwünsche der oder des Anderen. Der Begriff der Erotik enthält also bereits eine charakteristische Spannung zwischen der Liebe, mit den stärkeren Aspekten der Bindung, Nähe und Sicherheit und dem Sinnlich-Körperlichen der Sexualität.

Dabei wird das Thema in diesem Buch aus verschieden Blickwinkeln betrachtet. Es geht um Zugänge aus psychohistorischer Sicht sowie um Zugänge aus theoretischer Sicht, um das Thema Männer und Gewalt wie auch männliche Erotik im Alter. Männlichkeit entsteht nicht durch Abgrenzung vom Weiblichen, sondern im Gegenteil durch seine Integration. Erst die Integration von männlichen und weiblichen Anteilen ermöglicht die Ausbildung einer stabilen männlichen Geschlechtsidentität. Das Spektrum ist durch Geschlechtsnormen reglementiert.
Mit Männlichkeit verbinden sich eine Reihe von wiederkehrenden Zuschreibungen und Definitionen. Sie beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln unsichtbar und unbewusst, jenseits aller Bemühungen um Gleichberechtigung. Männer, die beispielsweise zu Gewalt in Beziehungen neigen, sind gekennzeichnet durch niedriges Selbstwertgefühl, Gefühle der Hilflosigkeit und hohem Kontrollbedürfnis. Und männliche Erotik im Alter verlangt ein differenziertes Bild diesseits von Extremstereotypen des asexuellen und grenzüberschreitenden alten Mannes. Alter bedeutet nicht nur Regression und Defizit, sondern kann auch Entwicklung und Reifung sein. Dies bedeutet die Notwendigkeit, seine Partnerbeziehung durch Nähe, Verständnis und Geborgenheit in einem sexuellen, erotischen und seelischen Austausch zu halten.
Die Beiträge in dem Buch machen deutlich, dass Männer heutzutage einem stärkeren Druck zur Akzentuierung ihrer physischen Attraktivitätsmerkmale durch Selbstdarstellung und Selbstinszenierung bei gleichzeitig unklareren Rollenvorgaben und -mustern unterliegen. Sie sollten sich diesen Anforderungen bewusst sein, ohne das körperbetonte Anforderungen zum Stressfaktor für Jungen und Männern werden.

Ziel des Buches „Be Lustigung“ und „Ent Ängstigung“. Das binäre Konzept der Geschlechteridentität gilt es weiter zu entwickeln. Was kann männliche Erotik bewirken, wo fängt sie an und wo hört sie auf? Ein Sammelband mit vielfältigen Anregungen zu diesem Thema, der in unterschiedlichen Beiträgen Aspekte dieses spannenden Themas vertieft.

Jürgen Döllmann

Stichworte: Männergesundheit, Männer Heute

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