Doyle, Lächeln

Roddy Doyle, Lächeln, Goya Verlag, Hamburg 2022

Der irische Autor Roddy Doyle, Autor von Welterfolgen wie bsp. „The Commitments“, hat ein Buch zum Thema Missbrauch geschrieben. Es geht um Victor. Er verbringt seine Abende in einem Pub. Dort trifft er auf jemanden, der behauptet, mit ihm auf der Oberschule gewesen zu sein. Als ein ehemaliger Mitschüler. Allerdings kommt er Victor überhaupt nicht bekannt vor „Ich hatte keine Ahnung, wer der Typ war. Ich mochte ihn nicht. Das wusste ich sofort“. Durch ihn wird Victor von seinen eigenen traumatischen Erlebnissen seiner Schulzeit eingeholt und muss sich nach vielen Rückblenden seiner Vergangenheit stellen. Denn auch das mag er nicht. Angeregt durch die Gespräche steigen auch andere Erinnerungen in Victor hoch – an Rachel, seine schöne Ex-Frau und an seinen eigenen Anspruch, etwas im Leben zu erreichen.
Aber es sind die Erinnerungen an die Schule, an die Lehrer, vor allem an den einen christlichen Bruder, die ihm am meisten Unbehagen bereiten. Der Autor beschreibt die Wahrnehmung von Victor: Es war kein Übergriff. Damals nicht. Sogar von einem Bruder begrapscht zu werden lief schlicht unter Pech oder schlechtem Timing „Deinem Lächeln kann ich einfach nicht widerstehen, Victor Forde“. Und fragte meine Mutter, als ich nach Hause kam wie war es in der Schule? Super, sagte ich.

Die Gespräche in der Bar bringen Victor in seine Vergangenheit zurück. Gleichzeitig verspürt er jetzt ein bisschen von dem Leben, das er nie gehabt hatte. Die Kameradschaft, die Unbeschwertheit, Akzeptanz – das würde er ab jetzt erleben. Daneben geht es in den Gesprächen um die eigene Schuld an dem Erfahrenen. Sie müssen damit zurechtkommen. Bis zu seinem überraschenden Ende beschäftigt sich das Buch bewegend mit dem Thema des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche in Irland.


Das Buch zieht einen in den Bann und es ist aufwühlend, da es sich um keine Studie zum Thema Missbrauch handelt, sondern man leidet und fühlt mit. Damit macht es sehr betroffen, eben weil es personalisiert ist und damit das Thema ein Gesicht und eine Stimme bekommt und das Leid sichtbar gemacht wird. Victor ist für sein Leben gezeichnet und spürt die Auswirkungen, es ist unfähig in Beziehungen zu leben. Er nimmt sich immer wieder vor, es war damals doch nicht so schlimm und es gab doch auch etwas Gutes. Er versucht sich damit augenscheinlich zu schützen und nicht wieder zu konfrontieren.
Ein wichtiges Buch zur Thematik Missbrauch!

Jürgen Döllmann

Stichworte: Missbrauch

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