Hans Bosse, Der fremde Mann, Angst und Verlangen – Gruppenanalytische Untersuchungen in Papua-Neuguinea. Psychosozial- Verlag, Gießen 2010. ISBN: 978-3-89806-670-9. 348 Seiten.

 

Manchmal landen auf dem Schreibtisch eines Rezensenten Bücher, die zunächst weit weg sind von seinem alltäglichen Arbeitsumfeld. Das Buch von Hans Bosse gehört in mehrfacher Hinsicht dazu. Es geht um eine Feldforschung, die in den 80er Jahren auf der anderen Seite der Welt durchgeführt wurde, um ein Buch, das erstmals 1994 veröffentlicht und jetzt als erweiterte und überarbeitete Neuauflage wieder aufgelegt wurde, und in der Sache um die Beschreibung des Wandels und des Zerfalls traditioneller Männlichkeiten einer Kopfjägerkultur und der Notwendigkeit, sich neue männliche Biografie anzueignen. Das ganze dokumentieren die beiden Forscher in Gesprächen mit einer Gruppe männlicher Heranwachsender. Gefunden haben sie die Jugendlichen in der Schule und damit dem westlichen Kulturimport par excellence. Wie gesagt: all dies ist in jeder Hinsicht weit weg von dem, was uns hier Tag für Tag beschäftigt, und doch spannend, bewegend auch gewiss auch irritierend zu lesen. Die fremden jungen Männer, die uns hier begegnen, rücken auf diese Weise dann doch ein Stück näher.

Es ist kein Buch zum Nebenbeilesen, sondern erfordert Zeit und Geduld. Fazit: Eine ungewöhnliche, aber lohnenswerte Lektüre.

 

Andreas Ruffing