birnstein_väterUwe Birnstein, Väter in der Bibel. 20 Portraits für unsere Zeit. Herder Verlag. Freiburg u.a. 2013. ISBN 978-3-451-30657-0.

 

Da bürstet einer die Bibel gegen den Strich einer Akzeptanz, gar Gewissheit der Segnung patriarchaler Männlichkeiten in der jüdisch-christlichen Tradition. Das macht das Buch spannend und überraschend lesenswert. Uwe Birnstein, evangelischer Theologe und Journalist, liest die Vätergeschichten der Bibel mit dem Blick eines modernen Mannes, dem seine eigenen Gefühle, die eigene Identität und sein heutiger wissender Verstand zur Richtschnur der Interpretation werden. Die klassischen, in der kirchlichen Männerarbeit gerne zitierten Biografien von Adam bis Josef aus Nazareth werden einer Re-Lecture unterzogen, deren Topoi z. B. sind: Verantwortung für die Kinder, Überwinden des Schweigens, Anschauen eigener Abgründe wie Gefühlskälte und falsche Erwartungen, vor allem aber auch Kritik der Autoritätshörigkeit der Patriarchen der Bibel. Birnstein blickt sehr kritisch auf benutzende Sexualität, auf Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch oder gar Mord bei den Männern der Bibel. Neben so bekannten Figuren wie Abraham, Isaak, Jakob, David oder Josef finden wir auch biblische Vatergestalten wie Jeftah, Tobias, Hosea oder Herodes – und den Vater des verlorenen Sohnes. Immer in der Konfrontation mit der eigenen Geschichte als Sohn und Vater. Deutlich wird: Vatersein realisiert sich gerade in der Erfahrung von Schwäche und Scheitern, jenseits der Vorstellungen einer „heilen Welt“.

 

Hans Prömper, KEB Frankfurt