Boris von Heesen, Mann am Steuer, Wie das Patriarchat die Verkehrswende blockiert, Heyne Verlag München, 2025
Von Heesen greift in diesem Buch nach „Was Männer kosten“ https://kath-maennerarbeit.de/von-heesen-was-maenner-kosten/ einen zentralen Aspekt unserer Gesellschaft auf: Männer dominieren nicht nur physisch mit ihren Fahrzeugen die Straßen, sondern kontrollieren über ihre Netzwerke in Politik und Industrie die Entscheidungsprozesse, die eine zukunftsgerechte Verkehrswende und die Abschaffung aller Autoprivilegien verhindern. Patriarchale Strukturen sind dabei tief verankert. Sie manifestieren sich nicht nur in den Statistiken aggressiven Fahrverhaltens, sondern auch in der Art und Weise, wie Mobilität in unserer Gesellschaft organisiert und bewertet wird. Dabei werden in dem Buch nicht nur die Symptome benannt, sondern auch die dahinter liegenden Machstrukturen. Das Buch von Boris von Heesen beschreibt zunächst die Dominanz von Männern bei der Verkehrspolitik auf verschiedenen Ebenen. Männer gestalten Verkehrspolitik für Männer. Das Ergebnis ist eine überholte, umweltschädliche und autozentrierte Ausgestaltung der Mobilität. Patriarchale Subventionen wie Dienstwagenprivileg und die Entfernungspauschale schaden einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung, da Männer in ihrer Rolle als Lohnarbeiter gestärkt werden und staatliche Mittel in männlich dominierte Konzerne gesteckt werden. Männer werden in einer patriarchalen Gesellschaft sozialisiert, in der eigene Schwächen und Fehler verdrängt werden. Die Automobilbranche reproduziert sich fortwährend selbst, verfestigt überholte Geschlechterklischees und erstickt jeden Veränderungswillen. Große und leistungsstarke Fahrzeuge sind mit entsprechendem Ansehen verbunden. Hauptverursacher bei PKW-Unfällen mit Getöteten: 78,4% Männer, getötete Motorradfahrer: 94% Männer, Straftaten im Straßenverkehr 86% Männer. Automobil und Motorrad halten für Männer oft als Ventil für ihre unterdrückten Gefühle her. Sie überdecken Angst und Unsicherheiten.

Das Buch ist ein Weckruf, der zeigt, dass die Verkehrswende nicht nur eine technische oder infrastrukturelle Frage ist, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung, die eine kritische Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen erfordert. Eine gerechte Verkehrspolitik muss allen unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten gerecht werden. Der Schlüssel ist Intersektionalität, also das gleichzeitige Berücksichtigen von Geschlecht und sozialen Faktoren.
Schwerpunkt zukünftiger Projekte müssen dabei bei den Männern liegen. Dabei geht es um schulische Mobilitätsbildung, um die Veröffentlichung von Statistiken sowie um faktenbasierte und lösungsorientierte Präventionskampagnen. Männer sollten Männer sollten ihre Abhängigkeit und Verhältnis zum Auto reflektieren. Wo ist es stressig und belastend, wer bin ich ohne mein Auto? Was kostet das Ganze wirklich? Sollte ich nicht mehr den Schwerpunkt auf mich und die Familie und Beziehungen setzen? Ein für die Debatte wichtiges, faktenbasiertes und klar geschriebenes Buch.
Jürgen Döllmann
Stichworte: Männlichkeit, Männer Heute

