Dittmann, Jungs von heute, Männer von morgen

Anne Dittmann, Jungs von heute, Männer von morgen, Kösel Verlag München 2025

Männlichkeit und Krisen – beides scheint eng miteinander verknüpft. Die Autorin fragt sich in dem Buch, wie können wir gemeinsam mit unseren Söhnen zu einer gleichberechtigten Zukunft gelangen können? Denn ohne moderne Jungen und Männer gibt es keine gerechte Welt. Daher brauchen wir eine Erziehungskultur der Verbindung statt der Begrenzung und Trennung. Und wir brauchen eine positive Vorstellung davon, wie Jungen und Männer in einer gleichberechtigten Gesellschaft sein können. Ein Ansatz sind die fürsorglichen Männlichkeiten. In dem Buch werden die Kapitel Selbstfürsorge – die Verantwortung für die eigenen Gefühle-, Fürsorge -Beziehung zu anderen besser pflegen- und Engagement -Einfluss in der Gesellschaft- behandelt.

In dieser Welt sind Jungen und junge Männer besonders anfällig für Krisen, weil sie zu vermeintlich starken Helden erzogen werden. Wenn wir uns für unsere Söhne ein gutes Leben wünschen, wenn wir wollen, dass sie wirklich starke, resiliente Männer von morgen werden, dann müssen wir sie widerstandsfähiger gegen toxische Männlichkeitsnormen machen. Die Autorin schlägt gemeinsame, bewegungsintensive Aktivitäten vor. Und Jungen müssen lernen, die Ressourcen in ihrer Umgebung zu nutzen, also um Hilfe zu bitten, Konflikte auszuhalten und auszuhandeln, Verantwortung für Gefühle und Bedürfnisse zu übernehmen. Je früher Söhne eine gute Beziehung zu ihren eigenen Gefühlen aufbauen, desto besser – um durch Krisen, Druck und Stress zu kommen.

Nach den eigenen Erfahrungen der Autorin verbinden wir Zärtlichkeit und liebevolle Fürsorge eher nicht mit Männerfreundschaften. „Mein Sohn wollte cool sein., mein zarter sensibler Sohn rutschte in Gegenwart der anderen Jungen in eine Art Mini-Macker Identität.“
Pädagogen sollten in Kitas und Schulen Kinder nicht nach Geschlecht sortieren, sie sollten Kooperationen statt Konkurrenz fördern und Spielangebote für gemischte Teams aus Jungen und Mädchen machen. Die Körperwahrnehmung kann durch Bewegung gefördert werden. Außerdem sollte Fürsorge als etwas, das positiv auf die fürsorgende Person zurückwirken kann, gesehen werden.

In dem Buch hat mir gut gefallen, dass es leicht und verständlich geschrieben ist und am Ende eines jeden Kapitels Übersichten (to -dos für eine gleichberechtigte Zukunft) stehen. Das Buch ist eine Mischung aus Erziehungsratgeber und Statements von Fachleuten. Dazu werden Studien zitiert und viele Beispielen illustrieren das Anliegen der Autorin. Es liefert viele Anregungen, um vorhandene Geschlechterklischees zu hinterfragen!

Jürgen Döllmann

Stichworte: Männlichkeit, Männer Heute, Jungen

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