Schädler, Kontroll ver*lust

Sebastian Schädler, Kontroll ver*lust, Männer-Sex-Gewalt, Bertz+Fischer, Berlin 2025


In dem Buch geht es um Männer, Sex und Gewalt. Der Begriff, mit dem in diesem Buch versucht wird, alles Genannte zusammenzubringen, ist Kontrollverlust. Hier wird Sex als zentrales Feld betrachtet, auf dem sich Männlichkeit formt und manifestiert. Das Buch ist ein Versuch, eine Reise in ausgewählte Gebiete der gesellschaftlichen Position Mann zu unternehmen. Sexualität, auch die von Männern gelebte, muss nicht zwangsläufig und immer gewalttätig sein. Sex und Gewalt werden in dem Buch als Effekte von materiellen und kulturgeschichtlichen Prozessen beschrieben.

Es geht um eine Kritik an den gesellschaftlichen Herrschafts- und Machtverhältnissenden: Sex. Das Buch beschreibt aus fünf Perspektiven die sexuelle Dimension der Gewalt vieler Männer. In den Abschnitten geht es beispielsweise um Macht, Dominanz, Platzanweisung und strukturelle Gewalt gegenüber Frauen, um die Idealisierung eines Paares, dass aus einem reifen Mann und einer jungen Frau besteht. Dann wird systematische und permanente Vergewaltigung behandelt. Geht es bei einer Vergewaltigung um systematische Einschüchterung, durch die die Männer Frauen in permanenter Angst halten? Oder geht es darum, konkurrierenden Männern zu zeigen, dass sie Männer sind?
Wie könnten Existenzweisen von Männern aussehen, die nicht jede Variante von Männlichkeit abschaffen müssen, weil Männlichkeit dann kein relevanter Macht- und Ohnmachtsfaktor ist? Wichtig ist die biografische Arbeit mit Jungen (Was wünschen sie sich, wovor haben sie Angst?) und für Männer das gemeinsame Erarbeiten von Zielen und die Beachtung des Prozesses auf dem Weg dahin.

Das Buch lädt abseits konkreter Tipps zu einer gemeinsamen Reise ein. Es geht um Koordinaten, in denen sich Männlichkeit entwickelt. Die verschiedenen Ausprägungen werden mit historischen und kulturellen Beispielen und sexuelle Praktiken und Orientierungen machen sichtbar. Männlichkeit ist, weil sie Ausdruck eines gesellschaftlichen Verhältnisses ist, veränderbar. In diesem Buch wird Sex als grundsätzliches Feld gesehen, in der sich Männlichkeit ausbildet, aber auch ausdrückt. Und das kann dann den Weg zu einer Emanzipation – hin zu neuen Formen des Begehrens- ebnen.


Jürgen Döllmann

Stichworte: Männer Heute, Männlichkeit, Feminismus, Sexualität

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