Von Heesen, Was Männer kosten

Boris von Heesen, Was Männer kosten. Der hohe Preis des Patriarchats, Heyne Verlag, München 2022.

 

Von Heesen ist Wirtschaftswissenschaftler. Diese Perspektive fehlte bislang in den vielen, oft emotionalen Diskursen über Männer, Männlichkeiten und das Patriarchat. Mit ihr gelingt es, zur Versachlichung der oft nebulösen, von Identitätspolitik und Diskriminierungserfahrungen getriggerten Debatten um „toxische Männlichkeiten“ beizutragen. Das Buch hat drei Teile.

Zunächst berechnet von Heesen die gesellschaftlichen, makroökonomischen Kosten schädlicher männlicher Lebensorientierungen und Verhaltensmaximen. Was kostet es die Gesellschaft, dass signifikant, also statistisch nachweisbar mehr Männer als Frauen im Gefängnis sitzen, alkohol- oder drogensüchtig sind, häusliche Gewalt ausüben, Diebstähle und Wirtschaftsverbrechen begehen, sich ungesund ernähren, als Hooligans oder in der Jugendhilfe auffallen, Verkehrsunfälle, Umwelt- und Klimaschäden verursachen …? Dazu summiert er jeweils die direkten und indirekten Kosten (soweit bekannt, erhebbar) und zieht die von Frauen verursachten Anteile von den jeweiligen Gesamtkosten ab. Alles in allem errechnet er so für Deutschland die Gesamtsumme von mindestens 63 Milliarden €, die solche ungesunden und toxischen Verhaltensweisen von Männern die Gesellschaft, die Steuer- und Beitragszahler kosten.

Im 2. Teil geht der Autor auf die weichen Punkte ein, in denen ungünstige männliche Verhaltensweisen ebenfalls zu Buche schlagen. Diese lassen sich jedoch nicht exakt quantifizieren: die kürzere Lebensdauer und höhere Suizidrate von Männern, Hassverbrechen und Rechtsextremismus, Pornografie/Prostitution/Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Ungesundes und Ungerechtes im Leistungssport.

Aber dabei bleibt von Heesen nicht stehen. Ihn interessieren nicht die Anklage und das Männer-Bashing, sondern die Suche nach geschlechtergerechteren Lösungen. Wie kann und was muss in der Gesellschaft getan werden, damit beiden (und allen) Geschlechter mehr bleibt an Gesundheit, Lebensfreude, Glück, Gerechtigkeit?

Hier zeigt sich im 3. Teil der Pädagoge und Männerberater von Heesen. Die als „Gegengift“ vorgestellten Chancen, Erfahrungen und Ansätze für andere Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen von Männern sind nun allesamt nicht neu, machen das Buch hier aber zu einem Kaleidoskop aktueller positiver Perspektiven. Der engagierte Blick gilt Frauenbewegungen und Männerinitiativen, Familienstrukturen und Bildungswelten, Medien, Gesundheit, sinnvollem Monitoring und vielem mehr. Er zeigt, was Männer und Frauen gewinnen können, für sich und für andere.

Das Buch ist gut geschrieben. Seine spürbare Motivation gilt einem besseren Leben für Männer und alle Geschlechter. Für mich, zusammenfassend: Absolut lesenswert, ein Gewinn für alle Akteur*innen im Feld.

 

Dr. Hans Prömper

 

Stichworte: Männer heute, Männlichkeit

Related Posts

Neueste Buchbesprechungen

Soethof, Väter können das auch!
28. November 2022
Zykunov, Wir sind doch alle längst gleichberechtigt
28. November 2022
Tobias Moorstedt, Wir schlechten guten Väter
25. Oktober 2022
Haberl, Der gekränkte Mann
25. Oktober 2022
Schneebauer, Männerschmerz
27. September 2022
Ratschiller, Den Vater zur Welt bringen
30. August 2022

Themenbereiche

Archiv der Beiträge