Van Scharrel, Mann werden – Mann sein

Josef van Scharrel, Mann werden – Mann sein, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2020

Bruder Josef van Scharrel leitet seit 2011 im Benediktinerkloster Nütschau Kurse speziell für Männer, insbesondere auch Visionssuchen und Wanderexerzitien. Er schreibt in seiner Einleitung, dass er mit diesem Buch Männern Mut machen möchte, einfach mit allen Gefühlen, Ängsten und Freuden Mann zu sein. Und darüber hinaus sollen Männer über ihr Rollenverständnis und ihr Verhältnis zum Mannsein nachdenken. Angesprochen sind also Männer auf dem Weg zu ihrer Mannwerdung, ebenso aber auch Männer, die in der zweiten Lebenshälfte oder auf dem Weg in den Lebensabend vor der Frage stehen, wie es für sie weitergehen kann. Das Buch gliedert sich in die Kapitel Väter, Patriarchat, Archetypen und die Heldenreise, Abschied von alten „Manns-Bildern“ und Initiation.
Zu Beginn geht es also die prägende Beziehung zum Vater. Die Suche nach dem Vater ist eine der großen Aufgaben des Mannes und der Mannwerdung. Neben den Erläuterungen bietet der Autor auch immer wieder Übungen aus seinen Kursen wie das Betrachten des Fotos des eigenen Vaters an. Dazu kommen Übungen für zu Hause wie das Schreiben eines Briefes an den eigenen Vater. Dieses drei Dinge ziehen sich durch das Buch durch und bringen so ein Praxiserbrobung und Übertragbarkeit in den Alltag für den Leser.

Weiter geht es in dem Buch mit aktuellen Überlegungen, wie Vatersein heute gelebt werden kann und was Männer den Kindern, insbesondere den Söhnen mit auf den Weg geben können. Der Autor spielt dabei eigene Erfahrung aus seinen Seminaren mit ein, wo er als Mönch von einem Seminarteilnehmer, der auf der Suche ist, als der Mann angefragt wird, der ihm den Weg ins Leben zeigt. Für den Autor ist es wichtig, dass in einem Männerbild auch Emotionen, Schwächen und Versagen stattfinden muss. Sonst bezahlen wir mit unserer Gesundheit und mit unserem schlechteren Draht zu unseren Gefühlen sowie mit unserer Sprachlosigkeit. Eine neue Art von Mann begegnet uns in jedem, der für Familienzeiten auf Karriere verzichtet und die nicht jeden Preis bezahlen, um Erfolg zu haben.

In einem weiteren Kapitel werden die Archetypen als Urbilder der Menschheit vorgestellt: Der König (in eigener Verantwortung zu leben und in Verantwortung für die Gesellschaft), der Krieger (Abgrenzung gegen innere und äußere Erwartungen und Einsatz für das Gute. Besonders wird noch auf den Schattenkrieger eingegangen (zerstörerische Kraft gegen sich selbst und Kampf durch immer mehr Arbeit). Weiterhin geht es um den Liebhaber (Mitgefühl und Liebe zulassen) sowie den Magier (lebt mit der Wirklichkeit dieser Welt, Mann muss nicht perfekt sein).

Konkreter wird es dann in der Beschreibung der Seminare, die den Abschied von alten Manns Bildern zum Ziel haben. Die Teilnehmer lernen Mitfühlen und den Zugang zu den eigenen Gefühlen. Das braucht Zeit und Raum Und so kommen wir in Kontakt mit unserem Selbst. Dadurch können Männer frei werden und somit unseren Gegenüber ohne Ängste begegnen.

Zum Schluss geht es um die Initiation, eine vergessene Form der Mannwerdung. Dabei geht es darum, Verantwortung für mich, meinen Körper und für meine Aufgaben in der Gesellschaft zu übernehmen. Als Beispiele werden die Walderexerzitien, und der Vision Quest beschrieben. Wir Männer können Versöhnungsarbeit nur leisten, wenn wir bereit sind Wunden und Verletzungen anzuschauen und sie Gott mit der Bitte hinzuhalten, dass Heilung geschieht.

Das Ziel ist dann das Leben in Fülle: Das Buch will Männern Mut machen, sich auf die Reise ihres Lebens zu begeben.

Das Buch bezieht an vielen Stellen den Bezug zu biblischen Stellen ein, beispielsweise Was hat die Suche nach dem Vater mit der Geschichte Jesu zu tun? Deutlich wird beim Lesen des Buches, dass das es keine theoretische Abhandlung, sondern ein aus der eigenen (Seminar-) Praxis geschriebenes Buch ist. Inspirierend, ehrlich, authentisch und praxisorientiert statt klischeehaft. Ein Buch für in der Männerseelsorge und in der Männerarbeit Tätige, aber auch für einen selber zum Reflektieren. Also. „Machen wir uns als Männer neu auf den Weg, die in Jesus vereinigten Qualitäten des Mannseins zu entdecken“.

Jürgen Döllmann

Stichwörter, Glaube, Lebenshilfe, Männerabeit

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