Sylka Scholz, Männlichkeitsforschung. transcript Verlag, Bielefeld 2025.
Das Buch versteht sich als Einführung in die sozialwissenschaftliche Männer- und Männlichkeitsforschung. Geschrieben ist es im Blick auf Studierende, einen Gewinn bedeutet es aber für alle, die sich mit Fragen und Konzepten zu den Themenfeldern Männer, Geschlechterverhältnisse, kritische Männerforschung oder Lebenslagen von Männern auseinandersetzen.
Das Buch erschließt grundlegende theoretische Konzepte zum Verstehen von Männlichkeiten, verdeutlicht deren historische Einordnung und Entwicklung und stellt aktuelle alternative theoretische Konzepte wie Inclusive, Hybrid oder Caring Masculinities vor. Für Praktiker der Männerarbeit häufig sperrige Begrifflichkeiten wie hegemoniale Männlichkeiten, männliche Herrschaft (Macht) oder Habitus werden in ihrem Kontext erläutert, ebenso wie etwa auch „queer“ oder „hegemoniale Weiblichkeit“.

Einblicke in Konzepte zum Verständnis der Sozialisation der Geschlechter verbinden sich mit Aspekten und Fragen der Lebensbewältigung und des Risikohandelns von Männern, oder auch des Überdauerns eingespurter männlicher Haltungen und sozialer Strukturen in Beruf/Erwerbsarbeit oder in Partnerschaft, Vaterschaft und Familie. Methoden und Zugänge empirischer, vor allem qualitativer Forschung werden ebenso behandelt wie die Themen Migration und Flucht oder die Affinität vieler Männer zu Gewalt oder extremistischen, rechtspopulistischen Positionierungen. Dabei führen jeweils Kurzerläuterungen in Themen und Lernaspekte der Kapitel ein. Zusammenfassungen, Lernfragen und vertiefende Literaturhinweise erleichtern Verständnis und Rezeption des Dargestellten.
Was nicht drin steht: Dies ist eine soziologisch geprägte Einführung. Leser*innen erfahren viel über prägende sozialwissenschaftliche Begriffe und Diskurse der letzten Jahrzehnte und deren aktuelle Perspektiven. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen: Zu Männern und Männlichkeiten gibt es weitere wissenschaftliche und fachliche Zugänge, deren Grundlagen hier nicht angesprochen sind. So bleiben Fragen des Alterns (Gerontologie), der Männerbildung (Erwachsenenbildung, Lernprozesse im Lebensverlauf) oder der Beratung- und Sozialarbeit von und mit Männern notwendige Leerstellen in dieser Einführung. Dies mindert nicht den Wert des Buches – es ist allen Praktiker*innen der „Männerarbeit und -seelsorge“ als theoretischer Hintergrund ihrer Arbeit unbedingt zu empfehlen! Es weist aber auf die Fülle der noch vor uns liegenden Forschungsfragen und deren notwendige Verankerung in vielen weiteren Wissenschaften vom Menschen hin.
Und weil es diese Frage immer wieder gibt: „Wieso und warum schreibt eine Frau über Männer?“ Als ostdeutsche, in der DDR aufgewachsene Sozialwissenschaftlerin ist Sylka Scholz weniger als andere von manchen Brillen des „West-Feminismus“ geprägt. Ihre offene Haltung gilt den Fragen einer geschlechtergerechten und sorgenden Gesellschaft, was beim Lesen zu spüren ist.
Dr. Hans Prömper
Stichworte: Untersuchungen und Studien, Männer Heute, Männerarbeit

