Mc Bee, Amateur

Thomas Mc Bee, Amateur – ein neues Leben als Mann, Blumenbar im Aufbau Verlag, Berlin 2020

Thomas Mc Bee ist der erste Trans Mann, der im Madison Square Garden boxte. Das Buch handelt zuallererst von seinem Weg als LSBTI Mann seit seiner Transition hin zu seinem ersten Kampf als Amateurboxer. Aber es geht in dem Buch um mehr: es geht um Männlichkeit insbesondere für den Autor persönlich und in unserer Gesellschaft. Er hat sich die Brüste entfernen lassen, sich einer Hormonbehandlung unterworfen und seinen Namen geändert. Es geht um seine persönlichen Fragen an das Mann Sein.

In großen Teilen dreht sich das Buch also um diese Fragen des – insbesondere des starken- Mann Seins und seiner Stellung zu diesen Fragen. So denkt er darüber nach, ob alle Männer (und damit neuerdings auch er) in einer Krise stecken würden und was seine persönlichen Vorstellungen vom Mann Sein bedeuten würden. Er glaubt, dass gerade das Boxen ihm auf die Frage nach männlicher Gewalt und dem Mannsein eine Antwort geben könnten. Somit dient das Boxen seiner (persönlichen und gesellschaftlichen) Auseinandersetzung mit Männlichkeit. Er sucht nach einer anderen Antwort, die er in Rollenbildern gefunden hatte, die ihn in seiner Kindheit und Jugend geprägt hatte. Männlichkeit wurde damals für ihn durch seinen Stiefvater verkörpert, der ihn als Kind jahrelang sexuell missbrauchte. Später beinhaltet seine Vorstellung von Männlichkeit die des „Man box“: Weine nicht vor den anderen, zeig keine Gefühle, zeige keine Schwäche oder Angst, demonstriere Macht und Kontrolle.

Ursprünglich hatte er gedacht, die Beschreibung seines Kampfes in dem Buch würde darum gehen, als trans Mann als „echter“ Mann angesehen zu werden. Ihm wurde schnell klar, dass Männer oftmals ihre „Echtheit“ dadurch beweisen, dass ihr Kampf gegen die Erniedrigung durch andere wiederum zu einer Erniedrigung Anderer führt. Beim Boxen, so schreibt er, geht es ihm darum, egal wie oft er sich in die Ecke gedrängt fühlt, zum Schlag auszuholen und wieder heraus zu kommen. Das scheint auch sein Lebensmotto zu sein.
Durch das Boxen muss er sich Fragen stellen: Was für ein Mann bin ich? Für wen kämpfe ich? Dieses natürlich umso mehr, als dass er für sein neues Leben als Mann nach Antworten und nach seiner Rolle als Mann in der Gesellschaft sucht.

Männlichkeit und toxische Männlichkeit werden in dem Buch oft verwoben. Sowie auch gesellschaftliche Diskurse und sein eigenes Empfinden. Vielleicht zeigen dies auch die Widersprüche in unserer Gesellschaft. Und das in einem Bereich wie dem Boxen, bei dem es neben Gewalt auch immer um Gefühle und eine gewisse Intimität beim Kampf geht. Boxen durchbricht der Meinung des Autors nach vieles, was wir denken und bietet vieles: Raum für Berührung und Verwundbarkeit. Die Überwindung einer „Man Box“ setzt voraus, unsere Vorstellungen von Männlichkeit zu hinterfragen und an ihre Stelle die Realität von tatsächlichen Menschen zu setzen. Und am Ende des Kampfes resümiert er, Hier war ich, der Mann, der ich geworden war, als ich aufgehört hatte, mich vor dem Mann zu fürchten, der ich wurde.
Eine interessantes Dabei sein bei der Suche des Autors, aber es stellt auch viele Fragen zum Nachdenken über die eigene Sichtweise von Männlichkeit an den Leser.

Jürgen Döllmann

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