Halva, Mannsbilder

Boris Halva, Mannsbilder, Komplett-Media 2019

Der Ressortleiter der Bereiche Magazin/ Panorama bei der Frankfurter Rundschau hat mit dem Titel Mannsbilder- Auf der Suche nach der neuen Männlichkeit ein gut lesbares Buch über die aktuelle Männlichkeitsdebatte und Männer heute geschrieben. In dem Buch geht es dem Autor nicht nur um ein Zusammentragen von Forschungsergebnissen über den Mann, sondern um ein Aufspüren von Lücken und Brüchen, die ein Leben als Mann auch heute noch hat. Dazu ist er auf einem Männer Coachingseminar gewesen und hat mit einem Flirttrainer diskutiert. Daneben fließen in dem Buch aber auch viele eigene Erfahrungen und Ideen ein.

Worum geht es dem Autor in dem Buch? Männer befinden sich in einer Art Scharnierfunktion zwischen althergebrachten Erwartungen und dem Einstellen auf Veränderungen. Die Zeichen der Zeit stehen auf Aufbruch. Noch nie hatten Männer so viele Möglichkeiten und Chancen, ihr Leben zu gestalten, noch nie war die Auswahl der Lebensentwürfe und Rollenbilder so groß wie gegenwärtig. Dieses führt bei vielen Männern zu Verunsicherungen. Wenn wir anfangen, über strukturelle Probleme nachzudenken und inwieweit wir zu diesen beitragen, landen wir bei uns selbst.
Das führt Boris Halva dann zu den Hauptfragen Was will der Mann? Was soll er? Was ist er?

Konkret stellt der Autor die Fragen „Gibt es sie überhaupt, die neue Männlichkeit?“ Und „Was zeichnet sie aus?“

In dem Buch wird die Krise des Mannes als ein Resultat einer Überforderung gesehen. Wie soll der Mann all den Anforderungen gerecht werden, mit denen er konfrontiert wird? Der Zerfall der traditionellen Muster kann zu einer Neuformulierung dessen, was als männlich verstanden oder gewünscht wird oder zum Verharren des Einzelnen in ebendiesen alten Mustern, obwohl schon alles im Wandel ist, führen.

Das Männliche ist eben vielschichtig und widersprüchlich. Deshalb muss nicht dem Männlichen, sondern von Männlichkeiten gesprochen werden.
Oft kritisierte und zu Konflikten führende männliche Eigenschaften haben immer auch eine positive Eigenschaft.

Dies beginnt oft schon in der Kindheit. Das Verlangen, dass Jungs ihre Gefühle unterdrücken sollen, andererseits aber bessere Männer werden sollen als ihre Väter, führt zu eben diesen Widersprüchlichkeiten.

Damit ein neues Männerbild entstehen kann, müssen sich alle Frauen und Männer die Frage stellen, wie der neue Mann sein soll. Und was müssen wir tun, um ihn den Weg zu bereiten? Wandel muss durchgehalten werden. Sonst vollzieht er sich nicht. Auf lange Sicht werden alle profitieren, wenn Frauen und Männer gemeinsam an den vermeintlich etablierten Strukturen rütteln.

Eine Gewissheit stellt uns der Autor als seine Quintessenz vor: Männer müssen nicht so sein, wie Zeitgeist es einfordern, und dass sie nicht so sind, wie Zeitgeist sie darstellen. Wir dürfen die Defizite nicht aus den Augen verlieren. Aber wir sollten positiver vom Mann reden und ihn bestärken, zu sich zu stehen.
Der neue Mann ist noch dabei, sich zu erfinden, sich neu zusammenzusetzen.

Lasst uns Männer sein, die die ganze Bandbreite des Mannseins für sich entdeckt haben!

Jürgen Döllmann

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