Duda, Gar nichts von Allem

Christian Duda, Gar nichts von allem
Beltz & Gelberg, Weinheim 2017

 

Der Ich-Erzähler Magdi – ein Junge- wächst mit einer deutschen Mutter und einem aus einem arabischen Land stammenden Vater sowie drei Geschwistern in den 1970er-Jahren auf. Wenn man Magdis Berichte liest, weis man nicht, was schlimmer ist: Der unverhohlene Rassismus (beispielsweise wo der Arzt partout nicht glauben will, dass Magdi auf ein Gymnasium geht), der den Kindern entgegenschlägt, oder die Lieblosigkeit der Eltern, die um jeden Preis erreichen wollen, dass ihre Kinder etwas Besseres sind. Was den arabischen Vater und die deutsche Mutter eint, ist der Wille, bloß nicht unangenehm aufzufallen. Der Junge fühlt sich hoffnungslos ausgeliefert: Der Vater verprügelt die Kinder, die Mutter ist seine Komplizin. Rettung erträumt sich Magdi von seinem Idol Mohammed Ali. Und er malt sich Rachefantasien aus: „Wenn ich mal so groß wie Vater bin, hau ich zurück, aber ohne Glatze!“ Er hat aber auch schon Glaubenssätze vieler Jungen und Männer wie „ein Junge weint nicht“ oder „Frauen sind immer schwächer als Männer“ verinnerlicht. In seinem Tagebuch notiert der elfjährige Magdi sein Leben, zunächst, um sein Deutsch zu verbessern, bald wird es aber zum Schutzraum vor der Welt.

 

Das Jugendbuch thematisiert die Frage nach der Zugehörigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund und der Schwierigkeit des Erwachsenenwerdens in einem problematischen Elternhaus. Damals wie heute auch für den Leser nicht einfache Themen. Ein aktuelles und lesenswertes Buch.

 

Jürgen Döllmann

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