Karfreitag: Seht mein Knecht

 

 

 

„Seht, mein Knecht hat Erfolg“

Aus dem Leben etwas machen – was Gott dir zutraut

„Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben.“ – Das ist doch eine Vision! Wer will das nicht? Erfolg haben, geachtet und angesehen sein, etwas gelten, etwas erreichen. Das bedeutet Anerkennung, Bewunderung, Wertschätzung. So manches ist man bereit, dafür zu investieren, auch, wenn es Zeit und Mühe kostet, es lohnt sich. Schließlich gehört es sich für einen Mann, etwas aus seinem Leben zu machen. Da weiß ich dann auch, wofür ich das tue. In der Schule, in der Ausbildung hat man sich angestrengt, später dann so manche Überstunde geschoben, Einsatz gezeigt, oder auch neben der Arbeitsstelle vieles investiert, beim Bau des eigenen Hauses oder im Sportverein, in dem man sich engagiert. Und doch ist es nicht immer so einfach. Der Text aus dem Buch Jesaja, den wir am Karfreitag als erste Lesung hören, spricht keineswegs nur vom Erfolg und der Größe des Gottesknechtes, sondern auch von seiner Ablehnung, vom Entsetzen, das den Menschen ins Gesicht geschrieben steht, wenn sie ihn sehen. Der Weg zum Erfolg ist nicht leicht und oft steht dem fehlenden Erfolg ein entsprechend negativer Blick auf sich selbst gegenüber: wer nichts erreicht, ist auch nichts wert.

Immer wieder begegne ich als Seelsorger Menschen, die einen solch negativen Blick auf sich haben. Die alles andere als „sich selbst Freund“ sind. Und auch als Ordensmann ist man vor solchen Situationen nicht gefeit. Dazu braucht es nicht immer den großen Misserfolg. Manchmal genügt es, keinen direkten Erfolg dessen, was ich tue, sehen zu können, dass der Blick auf sich selbst negativer wird und die Frage kommt: was bin ich eigentlich wert, wenn mir so wenig gelingt? Tag für Tag mühe ich mich ab, und doch kommt kaum etwas dabei heraus.

Der Gottesknecht aus dem Buch Jesaja hat Erfolg. Aber anders, als wir uns Erfolg vorstellen. Sein Erfolg liegt darin, dass er sein Leben hingegeben hat, für die Menschen. Nicht Einfluss, Karriere, Besitz sind es, die ihm Erfolg verleihen, nicht das, was er sich aufgebaut und verdient hat macht ihn groß, sondern das, was er gibt.

„Mir selbst Freund sein“, das heißt für mich auch, einen wertschätzenden Blick auf mich selbst zu werfen. Nicht mit meinen Augen, die den fehlenden Erfolg sehen, das was misslungen ist oder was keine Früchte trägt, sondern mit den Augen Gottes, die in mir seinen Knecht sehen, der das Potential hat, Erfolg zu haben und groß zu werden: ein Gottesknecht, der viel zu geben hat für die Menschen, die nahestehenden und die ferneren. Nicht immer muss das im wörtlichen Sinn bedeuten, „das Leben zu geben“. Es beginnt viel früher, dort wo ich Zeit verschenke, gute Worte, eine kleine Tat für den Anderen. Gott traut mir zu, Erfolg zu haben, in diesem Sinn!

Eine kleine Übung (nicht nur für den Karfreitag) kann vielleicht sein, mir etwas Zeit zu nehmen, um in einem Spiegel mich selbst zu betrachten:

· Wie sehe ich mich? Was an mir kann ich gut annehmen? Was mag ich? Was schätze ich? Was sind die Erfolge in meinem Leben?

· „Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben“. – Wenn Gott dieses Wort über mich sagt – was ist der Erfolg, von dem er spricht?

· Was ist es, was ich in Zukunft noch mehr geben und verschenken kann, von mir, von dem, was ich bin und was mich ausmacht, von meinem Leben?

Vielleicht ist es auch eine Hilfe, den Vers aus dem Buch Jesaja in der Nähe des Spiegels anzubringen, in den ich immer wieder schaue. Auf einem Zettel ausgedruckt oder mit wasserlöslichem Stift auf den Spiegel geschrieben, erinnert er mich daran, dass ich wertvoll bin, nicht aufgrund dessen, was ich erreicht und geleistet habe, sondern aufgrund dessen, was Gott in mir sieht und was ich gebe für die Anderen.

Zum Nachlesen: Jesaja 52, 13 – 53, 12

Autor: P. Jens Watteroth OMI


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