Auferstehung. Eine Erfahrung im Knast

„Ich wollte mich hiermit nochmals bei Ihnen bedanken für die gemeinsamen beratenden Gespräche mit Ihnen. Sie haben mir damit die Augen geöffnet und mich privat einige Schritte nach vorne gebracht und mich in meinem Glauben gefestigt…“, schreibt ein Gefangener mir, dem katholischen Gefängnisseelsorger.

Er hatte mit seinem Bruder ein kriminelles Geschäft der übelsten Sorte betrieben und viel Geld damit verdient. Eines Tages plagte ihn sein Gewissen, er erinnerte sich an seinen christlichen Glauben und begann auszusteigen. Er redete mit seinen Eltern. Aber sie verstanden ihn nicht und waren geblendet von seinem Reichtum, wovon auch sie profitierten. Zunehmend wurde er von der Familie unter Druck gesetzt. Und eines Tages griff ihn ein fremder Mann an, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er wiederum zückte ein Messer und verletzte den Angreifer. Daraufhin kam er in Untersuchungshaft. Hier rief er nach mir, dem Seelsorger.

Er war innerlich sehr verletzt und fassungslos über das, was geschehen war; auch über seine Familie, für die er sich immer so engagiert hatte. Dennoch wollte er nicht mehr so weiterleben wie früher, aber es plagten ihn viele Unsicherheiten und Zweifel. Im Laufe der Gespräche mit mir wurde er ruhiger und klarer. Seinen Weg sah er immer deutlicher vor sich. Er würde ein neues Leben beginnen; auch ohne seine Herkunftsfamilie.

Ich sehe es so: Er ist aufgewacht aus einem bösen Traum, er ist aufgestanden und wagt nun etwas Neues, was für ihn weiterhin nicht ungefährlich ist. Ich hoffe für ihn, dass es ihm gelingt.

Auferstehung ist, vom Tod zum Leben zu gelangen. Manchmal leben wir und tun etwas, was der Welt, den Menschen und auch der Natur Leid und Tod bringt. Manchmal sterben wir langsam auch innerlich dabei, wir merken es häufig erst zu spät. Wir spüren durchaus, dass etwas bei oder in unserem Verhalten nicht okay ist, dass es anders besser wäre. Aber wir bleiben und verharren in unserer Gewohnheit.

„Glück ist eine Form der Übereinstimmung, kein Zustand, kein Sein, sondern eine Übereinstimmung mit dem eigenen Denken und Empfinden. Es geht nicht darum, sich glücklich zu fühlen, sondern in Übereinstimmung mit sich `richtig` zu handeln.“

(Zitat aus: John von Düffel, Das Wenige und das Wesentliche. Ein Stundenbuch. DuMont Verlag 2022)

 

Diakon Hubert Frank, kath. Gefängnisseelsorger in der JVA Rohrbach, Rheinland-Pfalz

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