Mühling / Rost (Hrsg.), Väter im Blickpunkt.

Tanja Mühling/Harald Rost (Hrsg.), Väter im Blickpunkt. Perspektiven der Familienforschung. Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills 2007. ISBN 978-3-86649-123-6. 271 Seiten, € 19,90.

 

Was wissen wir über die Väter? Nach der Lektüre dieses Buches lässt sich sagen: einiges – und doch so vieles nicht. Denn die in diesem Band gesammelten sozialwissenschaftlichen Fachbeiträge geben einen guten Überblick über die Vielfalt derzeitiger Väterforschung, machen aber stets zugleich auch deutlich, wo Defizite und Lücken sind. Denn nur zögerlich kamen Männer und Väter als eigenständige Forschungssubjekte in den Blick, wie Gudrun Cyprian in ihrem Beitrag über die Väterforschung selbst aufzeigt. Dass aber dennoch schon viel geschrieben worden ist, zeigen die umfangreichen Literaturhinweise am Ende jedes Beitrags.

Aus den (incl. der Einleitung) zehn Beiträgen sei nur einiges herausgegriffen. Eine der Grundfragen dieses Bandes ist die nach dem Wandel der Geschlechterrollen und insbesondere nach den „neuen Vätern“. Dabei weitet Dirk Hofäcker den Blick auf andere europäische Länder hin und stellt zwar graduelle Unterschiede z. B. zwischen Nord- und Südeuropa fest, aber auch eine Konstante: Die Einstellungen der Väter zu mehr Engagement in Familie und Haushalt ändern sich eher als das Verhalten. Das hängt freilich – zumindest, was Deutschland betrifft – zu einem guten Teil mit dem schwierigen Spagat zusammen, der von jungen Vätern zwischen der starken Vereinnahmung durch den Beruf und dem weiblich geprägten Kosmos um Kind und Mutter verlangt wird, wie Thomas Gesterkamp in seinem Beitrag nachzeichnet. Zu einem anderen Teil stehen, wie Rainer Volz aufzeigt, auch traditionelle Geschlechterbilder im Weg; viele Frauen haben Probleme, Männern die nötige Kompetenz in Haushaltsführung und Kinderpflege zuzugestehen – was zu einem Rückzug der Männer aus diesen Bereichen führt.

Weitere Themen sind der Kinderwunsch von Männern und der Übergang zur Vaterschaft (Harald Rost) sowie die Zeitverwendung von Vätern (Tanja Mühling). Zum Schluss des Bandes befassen sich zwei Beiträge mit der Situation, wenn Kinder nicht mit beiden Elternteilen in einem Haushalt leben. Ruth Limmer arbeitet heraus, wie wichtig es für die psychosoziale Entwicklung von Kindern ist, dass auch von ihnen getrennt lebende Väter weiterhin eine gute Beziehung zu ihnen beibehalten. Michael Matzner schließlich nimmt mit den alleinerziehenden Vätern eine Gruppe in den Blick, die bisher in der Gesellschaft noch nicht richtig akzeptiert ist; sein guter Überblick zeigt nicht nur, wo künftige Forschungen ansetzen können, sondern wie bei den anderen Beiträgen auch, wo politischer Handlungsbedarf besteht. Insofern ist Väterforschung – das wird im Buch wiederholt sichtbar – nicht nur Beschreibung und Analyse des Bestehenden, sondern auch Motor für die Entwicklung der Gesellschaft.

 

Martin Hochholzer

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