Monney, harte Zeiten für echte Kerle

Safia Monney, harte Zeiten für echte Kerle
Reinbeck bei Hamburg (rororo) 2018

 

Die Autorin schreibt in ihrem Roman aus der Perspektive des 35-jährigen Reporters Clemens. Clemens ist Reporter bei einem Männer-Lifestyle-Magazin. Am liebsten berichtet er über alles, was harte Kerle anspricht: Nervenkitzel, Wildnis oder von dem Gefühl purer Freiheit. Auf eine Beziehung hat er wenig Lust, einer Affäre ist er aber nicht abgeneigt. Er sagt über sich selber, nur weil ich Gefühle habe, muss ich noch lange nicht darüber reden. Auch als seine aktuelle Freundin ihn über ihr Zusammenleben befragt, kommt er zu der Aussage: „Zusammen“, das ist ein Wort mit dem ich nichts anfangen kann.

So auch, als er am Flughafen mit der faszinierenden Wayra zusammenstößt. Leider stellt sich heraus, dass Wayra seine neue Chefin ist. Sie will dem kriselnden Magazin eine neue Farbe geben, Stichwort: Der moderne Mann und seine Bedürfnisse. Clemens wird das Ressort ‚Beauty und Wellness‘ übertragen – und er macht eine ganz neue Art von Grenzerfahrung.

 

Insgesamt finde ich den Ablauf des Romans doch etwas konstruiert: Chauvi trifft am Flughafen seine zukünftige Chefin, was er allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß. Auch der weitere Verlauf wirkt auf mich nicht immer plausibel. Er wird dann von seiner Chefin zu einem Männerkongress geschickt. Dort soll in Vorträgen und Workshops ein Weg aus der Krise gefunden werden, Männer versuchen sich neu zu definieren. Clemens macht auf diesem Kongress seine eigenen Erfahrungen . Aber ihn stört, dass Mut, Kraft und Abenteuer keinen Platz mehr im Leben von Männern zu haben scheinen, für ihn muss gar kein Ausweg aus einer Krise gefunden werden. Am Ende bricht er mit einigen Teilnehmern auf zu einer Zugspitzbesteigung auf.

 

Für mich konnte das Buch keine richtige Tiefe aufbauen, und auch die von Klischees und Stereotypen gespickten Denk- und Handlungsmuster des Protagonisten machten mir eine Identifizierung schwer möglich. Dabei sind einige Grundüberlegungen im Roman durchaus bemerkenswert. Wenn etwa die Ereignisse auf dem Kongress, die den neuen Mann kreieren sollen, überspitzt hinterfragt werden. Oder wenn Clemens im letzten Teil des Buches darüber spricht, dass Männer durchaus verständnisvoll und einfühlsam sein können. Was ihn ( und viele andere Männer) halt nervt ist, wenn ihm andere Menschen sagen, wie er als Mann zu sein habe. Dann fühlt er sich seiner Freiheit beraubt.
Der Roman bietet also in einer kurzweilig geschriebenen Art wichtige Aussagen, die zum Weiterdenken anregen. Man muss sie nur finden und sich nicht von der teilweise anstrengenden und klischeehaften Sprache abschrecken lassen.

Jürgen Döllmann

 

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