Dinges (Hrsg.), Männlichkeiten und Care

Martin Dinges (Hrsg.), Männlichkeiten und Care, Selbstsorge, Familiensorge, Gesellschaftssorge
Beltz Juventa, Weinheim 2020

Die Debatte um Care (Arbeit) wirft viele Fragen zur Neuverteilung gesellschaftlicher Arbeit abseits der nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf. In diesem Sammelband werden Beiträge zum Verhältnis von Männlichkeit und Sorgearbeit, zur väterlichen Sorgearbeit in der Geschichte sowie zur Thematik von Pflegepraxis und Männlichkeit zusammengefasst. Damit soll die gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatte um Männlichkeit und Sorge angereichert werden.
Der Hinweis auf Berufsfelder, die wegen ihrer Nähe zu personenbezogenen Dienstleistungen als „weiblich“ codiert werden, zeigen Verknüpfungen von Sorgearbeit und Weiblichkeit. Analog gibt es die Erwartung an Männer, in der Berufsarbeit und der damit verbundenen Rollenarbeit aufzugehen. Dabei wurde Sorgearbeit auch in der Vergangenheit immer schon von Männern, Erwerbsarbeit immer schon von Frauen erbracht. Viele Arbeiten wie Instandhaltung im Haushalt oder Erledigung administrativer Aufgaben, die von Männern erbracht werden, wurden lange nicht als Care-Arbeit gesehen. Oft wird Sorge als Sorge für andere verstanden, dabei wirken Sorgeverhältnisse auch immer auf die sorgende Person zurück. Wenn der Anspruch, dass Männer einen höheren Anteil an der Care Arbeit übernehmen sollen, umgesetzt werden soll, muss auch über Entlastungen in der Erwerbsarbeit diskutieren müssen.
Zunächst geht es in dem Sammelband um theoretische Grundlagen und praktische Veränderungen in der geschlechterspezifischen Verteilung von Sorge- und Carearbeit. Beispiele sind hier die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Caring Masculinities sowie Beispiele für das Ausmaß der Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit in Familien. In einem weiteren Teil geht es um die väterliche Sorge und den Wandel der Vaterrolle seit der Aufklärung. Schließlich geht es in einem dritten Teil um Fragen von Pflegepraxis und Männlichkeit.
Viele reduzieren Care zu einer Organisationsweise von Familien durch die Übernahme von Betreuungszeiten. Care gilt es zu erledigen. Dabei geht es um mehr, nämlich um eine andere Aufgabenverteilung zwischen Frauen und Männern. Außerdem können Männer in der Care Arbeit soziale Beziehung erleben und wachsen. Care muss in den Arbeitsalltag integriert werden; Rahmenbedingungen und Strukturen für die praktische Fürsorge in der Berufswelt müssen geschaffen werden.

Das Buch bietet lohnende Entdeckungen im Land der Caring masculinities, die Anregungen für die weitere Diskussionen um geänderte Rahmenbedingungen in der Gegenwart liefern können. Der Band hat mir den Blick für das weite Feld und zusätzliche Fragestellungen geöffnet. Er zeigt gesellschaftliche Fragestellungen auf, liefert aber auch historische Konzepte zu diesem Themenfeld.

Jürgen Döllmann

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