Holl, Die unheilige Kirche.

Adolf Holl, Die unheilige Kirche. Geschlecht und Gewalt in der Religion (Kreuz Forum). Kreuz Verlag, Stuttgart 2005. ISBN 3-7831-2593-6. 200 Seiten, € 14,95.

 

Dieses Buch ist eine Neuauflage eines 1991 erstmals erschienenen Werkes, das damals den Titel „Im Keller des Heiligtums“ trug – ein Titel, der das Buch wesentlich besser charakterisiert. Denn Kirche(nkritik), Geschlechterfragen und Gewalt kommen zwar vor; eigentlich geht es dem Buch aber darum, die Vielfalt des Religiösen und Heiligen vorzustellen – quer durch die Zeitalter, Religionen und Kultformen. Und das mit besonderem Augenmerk auf die Seiten, die hinter dem Sonntagsgewand der etablierten Glaubensgemeinschaften liegen: magische Vorstellungen, blutige Opfer und Gewalt, Charisma und Verführung und immer wieder ekstatische Phänomene.

Die einzelnen Kapitel widmen sich bäuerlichen Frömmigkeitsformen, der religiösen Aura des Königtums, dem Entstehen der Priestermacht und von Gemeinden, klösterlichen Gemeinschaften, Ketzern, der Instrumentalisierung des Religiösen im Faschismus, der neuen Sinnsuche rund um New Age und Wassermannzeitalter und zum Schluss den Marienerscheinungen.

Holl geht in den Kapiteln jeweils von einem Zitat aus, worauf sich dann ein Streifzug durch das Thema anschließt, der aber leider vieles nur streift: Eine Reihe von Phänomenen wird, locker assoziativ verbunden, vorgestellt, Holl ordnet sie in die soziologische Forschung ein – man wünscht sich aber eine tiefer gehende Analyse, die jedoch angesichts der Themenfülle auf 200 Seiten gar nicht möglich ist.

Aus Sicht der Männerseelsorge wäre es natürlich interessant gewesen, wenn sich Holl mehr mit Geschlechterfragen im Bereich des Religiösen befasst hätte. Doch nur an einigen kurzen Stellen wird speziell auf Frauen und Männer geschaut, etwa bei der Marienverehrung (S. 187-189) oder bei der Motivation für den Klostereintritt (S. 109-112); im 4. Kapitel bleibt die Frage offen, warum Priester überwiegend Männer sind.

Insgesamt also ein Buch, das vieles anreißt, durchaus spannend erzählt, aber letztendlich – trotz seines Themas, des Untergründigen in der Religion – zu sehr an der Oberfläche bleibt.

 

Martin Hochholzer

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