Hoffmann, Rettet unsere Söhne.

Arne Hoffmann, Rettet unsere Söhne. Wie den Jungs die Zukunft verbaut wird und was wir dagegen tun können. Mit 10-Punkte-Sofortprogramm. Pendo, München – Zürich 2009. ISBN 978-3-86612-227-7. 208 Seiten, € 16,95.

 

Bei diesem Buch empfiehlt es sich, zunächst einmal den Blick ganz auf das Ende zu richten. Dort, auf Seite 207, gibt Arne Hoffmann einige wenige Webadressen an. Neben seiner eigenen ist das unter anderem die Homepage von MANNdat sowie des Väteraufbruchs für Kinder. Bereits diese Auswahl zeigt, aus welchem Blickwinkel heraus der Autor die aktuelle Debatte um die Benachteiligung von Jungen aufgreift. Es ist jene männerechtlerische Position, die einen „überbordenden ideologischen Feminismus“ (S. 91) mit seinen Unterstützerinnen und Unterstützern in Politik, Wissenschaft, Erziehung und Medien für die aktuelle Jungenkrise wie überhaupt und insgesamt für das „Ignorieren der Anliegen des männlichen Geschlechts“ (ebd.). verantwortlich macht. Der Feind ist aufgebaut, auf den dann auf knapp 200 Seiten mit Vehemenz und einer guten Portion Wut im Bauch (?) eingedroschen wird. Beim Lesen wurde ich deshalb zuweilen nicht völlig den Verdacht los, dass hier das eigentliche Anliegen und die Zielsetzung des Buches liegen und das Thema der Jungenkrise im Grunde der aktuelle Aufhänger ist, an dem Hoffmann seine Thesen erläutern kann.

Ärgerlich ist daran, dass das Buch ja in der Tat wichtige, wenn auch nicht unbedingt immer neue Beobachtungen zur Situation der Jungen enthält, so z. B. im Kapitel „Früchte des vergifteten Baums: Welche Folgen hat die Jungenkrise?“. Aber auch hier wieder die pointierte Frontstellung gegen „den“ Feminismus, wie sie allein in der polemischen Kapitelüberschrift zum Ausdruck kommt. Ähnliches gilt für die Konsequenzen, die Hoffmann zieht. Selbstverständlich brauchen wir in der Zukunft eine gezieltere und nachhaltigere Jungen- und Männerpolitik als bisher. Hoffmanns 10-Punkte-Sofortprogramm am Schluss des Buches nennt hier zweifellos wichtige Anliegen und Forderungen (S. 163-184). So wird man ihm sicherlich zustimmen, wenn er die Gewinnung von mehr männlichen Erziehern und Lehrern in Kindergärten und Schulen auf die politische Agenda setzt, eine gezielte Leseförderung für Jungen für notwendig erachtet oder eine Gesundheitsdatenbank für Jungen und Männer fordert. Dass jedoch allein männerrechtlerische Gruppen wie MANNdat Männerinteressen vertreten können, wie indirekt auf S. 175 unterstellt wird, und deswegen zukünftig „wie feministische Grupperungen“ (sic!) politisch gefördert werden sollen, halte ich gelinde gesagt für eine Frechheit. So hinterließ die Lektüre des Buches unter dem Strich bei mir dann doch einen sehr zwiespältigen Eindruck.

 

Andreas Ruffing

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