Dammasch/Metzger/Teising (Hg.), Männliche Identität.

Frank Dammasch / Hans-Geert Metzger / Martin Teising (Hrsg.), Männliche Identität. Psychoanalytische Erkundungen. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2009. ISBN 978-3-86099-598-3. 202 Seiten, € 19,90.

 

Die Beiträge dieses Sammelbandes „möchten die Diskussion um Männlichkeit anregen, indem sie die Geschlechtsdifferenz wieder als einen wichtigen Baustein menschlicher Identitätsbildung in den Vordergrund rücken“ (S. 14). So schreiben die Herausgeber in der Einführung. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Verunsicherung von Jungen und Männern in ihrer Männerrolle soll der psychoanalytische Blickwinkel neue Perspektiven aufzeigen. So stellt etwa der Psychotherapeut Frank Dammasch fest: „Aus meiner kinderanalytischen Praxis kann ich“ die „Beobachtung, dass Jungen einen schwierigeren und unsicheren Weg bei der Entwicklung der Geschlechtsidentität zurücklegen müssen, bestätigen. Allgemein sind Jungen häufig – und unruhige bzw. aggressive Jungen fast ausschließlich – mit der psychosozialen Sicherung ihrer männlichen Identität beschäftigt“ (S. 19).

Die elf Beiträge behandeln Themen wie z. B. „Die Angst des Jungen vor der Weiblichkeit“, „Der Übergang vom Mann zum Vater und die Phantasie der Unsterblichkeit“, „Männliche Identität im Prozess des Alterns“ und „Die Beendigung der Identifizierung mit der Mutter und ihre besondere Bedeutung für den Jungen“. Immer wieder wird auch das Problem thematisiert, dass heute viele Jungen ohne leibliche und soziale Väter aufwachsen und ihnen damit etwas für ihre psychische Entwicklung fehlt; ja, dass mittlerweile nicht nur in Kindergärten und Grundschulen, sondern auch in sozialen Berufen insgesamt der männliche Nachwuchs fehlt. Erhellend ist in diesem Zusammenhang etwa der Beitrag von Nils Döller und Mirjam Weisenburger über psychoanalytische Theorien zur Entwicklung von Aggression und Männlichkeit.

Insgesamt zeigen die Beiträge eine Vielfalt an psychologischer bzw. psychoanalytischer Theoriebildung – und wenden sich damit eher an ein Fachpublikum. Trotz der Fachterminologie ist der Band aber auch für den interessierten Laien geeignet, der mehr über die Rolle von Männlichkeit und männlicher Sozialisation für Männer und unsere Gesellschaft erfahren will.

 

Martin Hochholzer

 

 

Insgesamt zwölf Beiträge zur männlichen Identität aus psychoanalytischer Sicht sind in dem vorliegenden Sammelband zusammengestellt. Blickt man auf die einzelnen Beiträge wird die Absicht erkennbar, die aktuelle Diskussion zur „Krise der Männlichkeit“ mit ihren Hauptstichworten „Jungen“, „Väter“, „Gewalt“ und „Männlichkeit“ in Unterscheidung und wohl auch Auseinandersetzung mit den Sozialwissenschaften zu beleuchten. Es empfiehlt zunächst den einleitenden Beitrag der Herausgeber zu lesen, um mit Fragestellungen und Herangehensweisen des Bandes vertraut zu werden. Dort heißt es: „Eine reife männliche Geschlechtsidentität basiert auf dem im Körperbild verankerten sicheren Gefühl der Konstanz der eigenen phallischen Geschlechtlichkeit, welche gleichzeitig die Integration von männlichen und weiblichen Objektrepräsentanzen in das Selbstbild ermöglicht“ (S.12). Wen dieser komplizierte Satz nicht völlig abschreckt weiterzulesen, wird von den Autoren auf eine spannende Entdeckungsreise mitgenommen. Hilfreich ist überdies, dass am Ende der Beiträge jeweils wichtige Literatur zusammengestellt ist. So ergibt sich ein guter Überblick über den aktuellen Stand der Psychoanalyse in Sachen männliche Entwicklung und Identität.

 

Andreas Ruffing

 

 

 

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