Urwin, Boys DON´T CRY

Urwin, Boys Don´T CRY
Jack Urwin, boys don´t cry
Identität, Gefühl und Männlichkeit
Edition Nautilus, Hamburg 2017

 

Zunächst ist mir beim ersten Lesen des Titels die Textzeile aus dem Song der Gruppe The Cure aus dem Jahr 1984 eingefallen:

But I just keep on laughing
Hiding the tears in my eyes
Because boys don’t cry
Also Jungen (und Männer) weinen nicht. Sollten sie aber, denn sie haben allen Grund dazu: Starre Männlichkeitsbilder beherrschen noch immer die Identifikationsangebote – sei es in Erziehung, Beruf, Werbung oder Mainstream-Medien. Stark, unbesiegbar, wild und immer auf der Gewinnerspur sollen Männer sein, ob sie wollen oder nicht. Damit Männer auch Gefühle herauslassen können, müssen sie das als Jungen lernen.

Jack Urwin Urwin bezeichnet sich selber als kein Experte für Genderfragen. Er hat nach eigener Aussage ein Buch für alle geschrieben, die in irgendeiner Weise von Männlichkeit betroffen sind, also für Alle.

Er konzentriert sich in seinem Buch auf die seiner Meinung nach wichtigsten Themen von Männlichkeit heute: Aggression, psychische Gesundheit, institutionalisierte Gewalt, Körperbilder, Sexualität. Was ist die Gefahr für Männer? Urwin bezeichnet sie als „toxische Männlichkeit“. Wenn man sie überwindet, können Männer aufhören, von den falschen Standards unserer Gesellschaft geblendet tödliche Risiken einzugehen. Die Beispiele männliche Stereotypen aus der Medienwelt sind naturgemäß solche aus Großbritannien.

Es ist wirklich keine akademische Abhandlung geworden. Er schreibt aus der Perspektive eines Mannes über Pornographie, über Körperbild und Konsumdenken und Vergewaltigung. Und das in einer direkten Sprache und mit vielen persönlichen Erfahrungen. Er kommt zu der Erkenntnis, dass Mann reden müsse. „Wenn Männer erst einmal sehen, dass es nicht entmannend ist, sich zu öffnen oder um Hilfe zu bitten, sind sie auch offener für andere Ideen“.
Eines der Verdienste dieses Buches ist es sicherlich, dafür in einer allgemeinverständlichen Sprache das Bewusstsein und Wege zu öffnen. Ein anderes den männlichen Habitus in der Gesellschaft zu relativieren. Vielleicht der Beginn einer überfälligen Debatte um dem Umgang Miteinander. Und so schreibt denn auch der Autor, dass jeder Schritt mit dem wir uns von der Vorstellung entfernen, es gäbe richtige und falsche Verhaltensweisen für Männer ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Jürgen Döllmann

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