Sommer 2023, eine Fortbildung zum Thema „Neues Geistliches Lied“ in der Evangelischen Akademie Loccum. Eine Handvoll Theologiestudenten gestaltet die Tagzeitenliturgien. An einem Abend darf ich die Gruppe bei der doppelchörigen „Litanei von der Gegenwart Gottes“ unterstützen. Hernach kommen wir mit dem Leiter noch ins Gespräch über die Posie des Textes. Und plötzlich fällt der Satz „Das ist so wunderbar geschrieben wie ‚Wenn das rote Meer grüne Welle hat‘ (1972 – Text: Wilhelm Willms, Musik: Peter Janssens).“ Ich stimme ihm begeistert zu – und wir blicken in die ratlosen Gesichter der jungen Menschen, die das Lied offensichtlich nicht kennen. Er: „Exodus: Rotes Meer – Grüne Welle; das ist doch so genial zusammengestellt.“ Gruppe: „Was ist eine grüne Welle?“ Ich stutze, versuche zu erklären: Straße, Verkehr, sukzessive Ampelschaltung. Antwort: „Wir fahren Fahrrad und ÖPNV.“
Nicht wenige meinen, die liturgische Verantwortung eines Kirchenmusikers beschränke sich auf die Noten. Weit gefehlt: wenigstens die Hälfte betrifft die Texte. Weil Melodie und Harmonien oft „nur“ das Trägermaterial sind, hängt die Bedeutung des Textes eher noch höher. Und da treffen verschiedene Ebenen aufeinander: seine sprachliche und inhaltliche Qualität, seine Verständlichkeit. Zudem muss er ja im Moment des Singens erfasst werden können – und im besten Fall berühren: sprachlich, inhaltlich, …
Das ist eben mein Alltag: Immer hinterfragen, ob Worte (und Musik) noch tragen, ob die Botschaft der Lieder noch verständlich ist, ob sie in der Gegenwart noch singbar sind. Trägt bei einem „Klassiker“ der Text vielleicht nur noch die Töne, wird aber in seinem Inhalt nicht mehr wahrgenommen? Gebe ich ihn auf oder kann behutsam „modernisieren“, damit das Lied wieder ansprechende Aussage bekommt? Habe ich einen guten, alten oder neuen, aber kaum gesungenen Text, der in Verbindung mit einer anderen/bekannteren Melodie neu (oder überhaupt einmal) begeistern kann?
Schließlich muss auch über Liedtexte im Gottesdienst laut und erklärend nachgedacht werden: sprachlich, inhaltlich, geschichtlich – wie jede Katechese es mit den noch viel älteren Texten der Bibel muss! Dann kann ich auch in autofreier Zukunft an Ostern von der Grünen Welle des Roten Meeres singen.
Johannes Maria Strauss
Bibelstelle: 2 Kor 5,20-6.2
Ein Angebot zur Ergänzung:
Aus-Zeit für mich. Männerwochenende Kloster Jakobsberg 22.-24.03.2024 (Palmsonntag)
„Frieden finden – mit der Welt und mir“
Was sind meine Erfahrungen und Visionen mit dem Frieden? Seien sie privat, politisch oder spirituell? Welchen Frieden suchen wir, einzeln wie gemeinsam? Wie verbindet uns unsere Sehnsucht nach einer Welt ohne Leid und Gewalt?
Das Wochenende auf dem Jakobsberg bietet Impulse für Geist und Seele. Es geht um Austausch und Eigenzeiten. Offene Gespräche unter Männern wechseln mit Spaziergängen und Besinnung. Es gibt Raum für Stille, Natur, auch gemeinsames Beten.
Elemente sind
- Gesprächsrunden mit anderen Männern – zu Lebensfragen und Spiritualität
- Angeleitete Eigenzeiten zur Selbsterkundung – zwischen Konflikten und Wünschen
- Spaziergänge und Impulse für Geist und Seele – Texte, Gedichte und Gebete, Natur, vielleicht auch gemeinsames Sprechen und Singen, stille Zeiten
Die Klostertage sind eine gute Ergänzung zu den spirituellen Fastenimpulse für Männer per E-Mail, an deren Thema sie sich orientieren.
Termin: Freitag, 22.03.2024 (Abendessen) – Sonntag, 24.03.2024 (Mittagessen)
Leitung: Dr. Hans Prömper, Erwachsenenbildner und Theologe, Universität des 3. Lebensalters Frankfurt
Ort: Kloster Jakobsberg, 55437 Ockenheim (www.klosterjakobsberg.de)
Veranstalter: Institut für Spiritualität, Bistum Mainz,
Kosten: Kursgebühr: 75 €
Verpflegung, EZ – Du/WC: voraussichtlich 160,50 €
Teilnehmer aus dem Bistum Mainz können einen Zuschuss erhalten. Bei niemand sollte die Teilnahme an den Kosten scheitern – bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf.
Anmeldung: Institut für Spiritualität, Himmelgasse 7, 55116 Mainz
E-Mail: institutfuerspiritualitaet@bistum-mainz.de
Telefon: 06131-253-437




