Schwarz oder weiß – das Leben ist bunt
Paulus macht eine klare Ansage: Durch Adam kam der Tod und durch Jesus die Rettung. In seinen Briefen an die Gemeinden wirkt es öfter so, dass Paulus klare Kante zeigt. Gesetz oder Gnade, Fleisch oder Geist, Tod oder Leben… Es klingt nach schwarz oder weiß.
Ich bin inzwischen über 50 Jahre alt und das Leben hat mich gelehrt: So einfach ist es nicht. Ich kenne es von meinen eigenen Entscheidungen und Erfahrungen, oftmals ist es nicht so eindeutig, wie es vielleicht scheinen mag. In Diskussionen kann ich unterschiedliche Positionen nachvollziehen und vor Entscheidungen wäge ich lange ab. Ich bin ein zögerlicher Typ, vielleicht fremdel ich deshalb, wenn es so klar zugeht und ich am liebsten „aber“ sagen möchte.
In unserem Leben und Miteinander gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern viele Graustufen dazwischen und hoffentlich ganz viel Buntes. Mit Blick auf die Geschlechtsidentität und Geschlechtervielfalt ist viel in Bewegung gekommen – vieles ist nicht mehr in dieser Weise eindeutig. Festgefügte Normen haben sich gelockert, Bilder verändert und Sichtweisen geweitet. Manchen Menschen macht es Angst. Es gibt Strömungen, die diese Angst aufgreifen und gegen Vielfalt Stimmung machen.
Ich kenne es von mir selbst: Andere in Schubladen zu stecken, oder den Wunsch zu haben, Teil einer bestimmten Gruppe zu sein und schon tritt das Allverbindende zurück. Ein kurzer Film eines dänischen Senders macht dieses Phänomen sichtbar. Menschen werden in Gruppen eingeteilt: alt, jung, Büroangestellte, Pflegende, Menschen mit Migrationshintergrund. Jede Gruppe ist zunächst isoliert und erst durch Fragen nach Erfahrungen wird das gemeinsam Menschliche sichtbar, die Abgrenzungen lösen sich auf.
Ich bin mir sicher, Paulus meint genau das: Wir sind alle Adamah – wie es im Hebräischen heißt – „von der Erde Genommene“. Wir alle teilen ein gemeinsames Schicksal, ein Leben voll Freude, Glück, Trauer, Schuld und Tod. Er sagt nicht, du bist entweder ganz verloren oder ganz gerecht. Er sagt aber: Trotz aller Grautöne unseres Lebens hat Gott sich in Jesus ein für alle Mal entschieden für den Menschen und für das Leben.
In welchen Situationen oder bei welchen Themen neige ich selbst zu Schwarz-Weiß-Malerei? Impuls für die Woche: Welche konkrete Eigenschaft oder Erfahrung verbindet mich mit meinem Gegenüber – gerade, wenn mir diese Person fremd ist? (Am besten für sich notieren.)
Heiko Hauger
Bibeltext: Röm 5,121-29
Foto: Allec Gomes/unsplash.com
Hinweis:
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