Fastenimpulse 2022 – Aschermittwoch

Fastenimpuls Aschermittwoch 2022

Aufhören!

Aschermittwoch. Ein idealer Tag, um anzuhalten und zurückzuschauen. Und dann mit etwas Neuem beginnen. Im Bibeltext vom heutigen Tag steht, dass wir, wenn wir fasten, ein fröhliches Gesicht machen, uns rausputzen und kein Trübsal blasen sollen. Ob das an den „Aschermittwochen des Lebens“ gelingen kann, weiß ich indes nicht.

In meinen „Aschermittwoch-Erlebnissen“, also bei den größeren Einschnitten in meinem Leben, war mir gar nicht nach Frohgemut und guter Kleidung. Ich denke da zum Beispiel an eine berufliche Krise, in der ich mich gezwungenermaßen neu ausrichten musste. Irgendwann schwante mir, dass es an der Stelle, wo ich war, nicht mehr weiterging, obwohl ich dachte, ich sei für immer dort angekommen. Ich kämpfte um meine Position und wollte nicht weichen. Ich fühlte mich falsch gesehen und ungerecht behandelt.

Als ich dann doch irgendwann bereit war, loszulassen, geschah ein kleines Wunder: Fast gleichzeitig tat sich unerwartet eine neue Perspektive auf, die mir quasi vor die Füße fiel. Noch etwas kindlich trotzig und gar nicht fröhlich ging ich darauf ein. Heute kann ich sagen: ich wäre beruflich nicht dort, wo ich jetzt bin, wenn ich mich damals nicht geschlagen gegeben hätte.

Heute kehrt der Erzbischof von Köln, Kardinal Woelki an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Er will neu beginnen dort, wo er in einer tiefen Vertrauenskrise eine Auszeit machen musste. Weil er keinen Rückhalt mehr hatte. Weil es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich wünsche ihm sehr, dass er neues Vertrauen schaffen kann und wieder in gute Verbindung mit den Mitgliedern der Kölner Kirche kommt. Aber ich habe Zweifel, ob das gelingen und ob er selbst dabei wirklich glücklich werden kann. Zu viel zerschlagenes Porzellan, zu viele Sackgassen sehe ich.

Am liebsten riefe ich ihm zu – von Mann zu Mann: Fang noch mal was ganz Neues an! Schau in Dich hinein: was wolltest Du auch schon immer mal machen? Was sind Deine anderen Fähigkeiten und Charismen, außer Bischof von Köln zu sein? Da ist noch mehr drin für Dich, glaub mir! Lass los und schau, wo es Dich hinzieht!

Vielleicht hat Jesus doch recht, wenn er uns vorschlägt, wir sollten uns beim Fasten schön anziehen und uns kämmen: nicht zu lange hadern, aufhören mit dem Selbstmitleid. Und dann: nach vorn schauen und uns überraschen lassen, was auf uns zukommt. Darauf sollte man vorbereitet sein, auch beim Outfit.

Dr. Andreas Heek

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