Ostermontag: Du zeigst mir die Wege zu Leben

 

 

 

 

 

Du zeigst mir die Wege zum Leben

„Du zeigst mir die Wege zum Leben“, sagt der Autor des Psalms 16, den Petrus in seiner Predigt zitiert (Apg 2,28). Aber wie zeigt Gott mir eigentlich diese Wege zum Leben?

Ich erinnere mich an Zeiten existentieller Verunsicherung, in denen das eine heiße Frage war und zum flehenden Gebet wurde: Herr, zeige mir die Wege zum Leben!

Inzwischen ist es meine Erfahrung, dass Gottes Wege zum Leben genau dort beginnen, wo ich das Leben in mir bereits vorfinde. Statt jenseitige Fingerzeige und göttliche Wegmarken zu erwarten gehe ich in mir auf die Suche nach „Leben“. Was sagt dieses schillernde Sehnsuchtswort „Leben“ mir eigentlich? Und wo entdecke ich „Leben“ in mir? Ich schaue dabei auf meine drei wichtigsten Beziehungskreise: Das Leben in mir, das Leben mit andern, das Leben mit Gott. Mir beschert es ein gutes Gefühl von Identität und Sicherheit, auf jede dieser Fragen, zumindest zwei, drei klare Antworten zu kennen.

Das Leben in mir

Wo erlebe ich mich als vital? Bei welchen Tätigkeiten fühle ich mich frisch, was tue ich gerne, ohne dass es mich anstrengt? Gibt es Tätigkeiten, bei denen ich mich ganz hingeben kann und sogar die Zeit vergesse? Beim Handwerken, Schreiben, Musizieren?

Und in der Arbeit: Wann bin ich dort ganz bei mir, wann erlebe ich die Befriedigung eines Sinns meiner Arbeit? Wobei kann ich mich als wirksam und lebendig erfahren?

Das Leben mit andern

Wann gehe ich im Zusammensein mit anderen ganz auf? Ist es das intime Gespräch oder tauche ich lieber ein in die Vitalität einer Gruppe? Wo ist das Beziehungsmilieu, in dem ich bin wie der „Fisch im Wasser“. Genieße ich Beisammensein in Verlässlichkeit ohne viele Worte? Mag ich es besonders, mit anderen „anzupacken“? Wo quäle ich mich mit andern und habe das Gefühl, Zeit zu vertun? Was beschwingt mich, wo fließt die Energie?

Das Leben mit Gott

Welche Riten, Zeiten und Formen sind für mich mit Leben gefüllt? Wo sind meine Orte der Andacht und Innigkeit? Ist es mehr der Morgen oder der Abend, ist es die Gebetsecke zuhause, die stille Kirche oder das Aufatmen in der Natur? Regen mich Bilder an oder schließe ich lieber die Augen? Öffnet mich Musik zu Gott und mache ich sie dann am liebsten selber? Wo ist „mehr Leben“ spürbar? Jetzt in dieser meiner Lebensphase?

Ich bin sicher, dass jeder, der sein Leben auf diese Weise anschaut, kostbare Dinge aufzählen kann: Leben ist für mich …in mir, …mit andern, …mit Gott.

Aber heißt es nicht im Psalmtext über Gott: „Duzeigst mir Wege zum Leben“?

Für mich hat die Selbsterkundung und Suche nach dem Leben in mir direkt damit zu tun. Denn Gott „setzt sich nicht auf Löcher“, oder – wie der alte Satz heißt – „gratia supponit naturam“, die Gnade setzt die Natur voraus. In meinen Stärken, in dem, was mich ganz irdisch begeistert und Leben erfahren lässt, wo ich aufblühe: dort setzt Gott an, dort beginnen die Wege zum Leben, die er mir bahnt.

Denn das Leben, das ich in mir vorfinde, ist ja Gottesgabe: „Was hast du, was du nicht empfangen hättest?“ (1 Kor 4,7) Indem ich mein Leben mit all meinen Gaben annehme, begegne ich dem Geber dieser Gaben. In meiner Lebendigkeit komme ich zu Gott. Damit ehre ich ihn: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ schrieb der Heilige Irenäus von Lyon schon im zweiten Jahrhundert.

Insofern führt mich das Schriftwort „Du zeigst mir die Wege zum Leben“ zurück zu mir selbst: Das Leben ist in mir, ihm bin ich verpflichtet. In meiner Lebendigkeit begegnet mir Gott, dort erfahre ich den Geber dieser Gaben. Und er sagt mir: „Sieh auf Dein Leben. In deiner Lebendigkeit zeige ich Dir den Weg, den Du gehen sollst.“

So kann ich mir selbst Freund sein, mich am Leben erfreuen. Und es verteidigen gegen das „Wehen des Todes“. Dabei erfahre ich Gott den Schöpfer als Freund an meiner Seite. Er will, dass ich aufblühe nach Art und Maß dessen, das er in mir angelegt hat. Ich darf lebendig sein vor seinem Angesicht, erfüllt mit Freude! Ganz bei mir – komme ich ganz zu ihm.

Biblischer Text: Apg 2,14,22-33

Klaus Hofmeister


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