Schäfer / Abou-Dakn / Wöckel (Hrsg.), Vater werden ist nicht schwer?

Eberhard Schäfer / Michael Abou-Dakn / Achim Wöckel (Hg.), Vater werden ist nicht schwer? Zur neuen Rolle des Vaters rund um die Geburt (edition psychosozial). Psychosozial-Verlag, Gießen 2008. ISBN 978-3-89806-819-2. 153 Seiten, € 19,90.

 

„Noch bleiben unserer Meinung nach die Chancen, die der Einbezug der Männer zur Stärkung der Paarbindung, zur Vergrößerung der Paarzufriedenheit nach der Geburt eines Kindes, zur Förderung und Festigung von fürsorglicher Vaterschaft sowie zur nachhaltigen Entwicklung tiefer Kind-Vater-Bindungen birgt, weitgehend ungenutzt“ (S. 10). So diagnostizieren die Herausgeber in ihrem einleitenden Beitrag die Situation, wenn es um die professionellen Unterstützungssysteme rund um die Geburt geht. Ihre Beobachtung: Angebote richten sich nach wie vor primär an die Frauen. Die Männer als werdende Väter und Partner würden weniger beachtet, obwohl sie in dieser ganzen Phase in psychosozialer Hinsicht eine wichtige Rolle spielen. Zudem sei der Übergang der Vaterschaft die optimale Lebensphase, um Männer für eine aktive und präsente Vaterschaft zu sensibilisieren, mittlerweile ja ein wichtiges familien- und männerpolitisches Anliegen.

Vor diesem Hintergrund finden sich im vorliegenden Sammelband unterschiedliche Beiträge aus Theorie und Praxis, die sich mit Männern in der Übergangsphase zur Vaterschaft beschäftigen. Die Beiträge gehen zurück auf Referate, die im Jahr 2007 auf einem Symposium in Berlin zum Thema „Die Bedeutung des Vaters rund um die Geburt“ gehalten wurden, übrigens – worauf die Herausgeber nicht ohne Grund hinweisen eröffnet mit einem Grußwort der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. In einem ersten umfangreichen Teil (S. 11 82) wird „Wissen aus Forschung und Praxis zur Bedeutung des Mannes rund um die Geburt“ zusammengetragen. Instruktiv ist hier vor allen Dingen der einleitende Literaturbericht von Adrienne Burgess und Duncan Fisher, die anhand englischer und amerikanischer Studien zeigen, welche positiven Auswirkungen die väterliche Beteiligung in dieser Phase für Partnerschaft und Familie hat. Ein zweiter, kürzerer Teil (S. 83 107) nimmt in zwei Praxisberichten die „Väter in der Geburtsvorbereitung und im Kreißsaal“ in den Blick und plädiert für den Ausbau solcher Angebote. In einem dritten Teil mit dem etwas kryptischen Titel „Differenzierte Interventionen für Väter“ sammeln sich nochmals Forschungs- und Praxisberichte zu Einzelfragen, etwa zu postnatalen Depressionen bei Vätern oder zur Geburtsbegleitung von türkeistämmigen Männer. Deutlich wird gerade, wie breit sich die Frage um Einbeziehung der Männer vor, während und nach der Geburt ihrer Kinder ausdifferenziert, löst man sich einmal von der einseitigen Fixierung auf die schwangeren Frauen und jungen Mütter.

Insofern richtet sich der Band an alle, die professionell mit dem Thema engagierte Vaterschaft rund um die Geburt im Gesundheitswesen, in Beratung und Männerarbeit zu tun haben oder diese mit gezielten Maßnahmen fördern wollen. Ihnen vermittelt der vorliegende Sammelband wertvolle Einsichten und praktikable Handlungsanregungen, vor allen Dingen aber die Botschaft, dass noch mehr in diesem Feld getan werden kann und muss. „Denn Väterkurse machen bessere Väter“ (S. 97). Ein Argument, dem man sich nach der Lektüre der Beiträge nur schwer entziehen kann. Ein empfehlenswertes Väterbuch, weil es eine für Väter entscheidende Lebensphase thematisiert.

 

Andreas Ruffing

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