Rey, Wenn ein Mann trauert.

Karl Guido Rey, Wenn ein Mann trauert. Der Weg der Liebe durch Abschied und Tod (Herder spektrum 5739). Herder, Freiburg – Basel – Wien 2006 (gekürzte und überarbeitete Neuausgabe von „Du fehlst mir so sehr“, Kösel Verlag, München 1998). ISBN 3-451-05739-5. 192 Seiten, € 9,90.

 

„Ich zögere, dieses Manuskript aus der Hand zu geben. Entblöße ich mich nicht zu sehr, wenn ich erzähle, wie traurig, verletzt, konfliktbehaftet, einsam und weglos ich bin?“ (S. 171) Dieses Zögern ist verständlich, zeigt Mann doch angeblich keine Gefühle. Aber Rey, ein bekannter Schweizer Psychotherapeut, merkte, dass er sich der Trauer über den Tod seiner Frau stellen musste, dass diese Trauer „mich von innen heraus umbrachte, wenn ich sie verdrängte“ (S. 7). Sein Kampf spiegelt sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen und Gedanken wider, die in diesem Buch gesammelt sind. Er hofft, damit anderen Trauernden zu helfen: „Wer Trauer selbst erlebt, kann heilend zum Herzen Trauernder sprechen.“ (S. 8)

Um den Leser mit auf den Weg seiner Trauer nehmen zu können, schildert er zuerst ihrer beider Lebensgeschichte – aus der Perspektive seiner Frau (S. 21-45; ergänzt durch Briefe seiner Frau an ihn im Anhang) und seiner eigenen (S. 46-65). Seine Tagebuchaufzeichnungen setzen schon an, als seine Frau schwer erkrankt ist, und werden zum Ende besonders intensiv, wenn er die Woche schildert, die er bei P. Anselm Grün in Münsterschwarzach verbracht hat (S. 129-156), über ein Jahr nach dem Tod seiner Frau. Und damit brechen sie ab. Vieles ist in Rey geschehen in dieser Zeit, das der Leser miterleben darf – auch wenn er über den Trauerprozess schreibt: „Der Prozess ist nicht abgeschlossen. Er wird bis zu meinem eigenen Tod weitergehen.“ (S. 7)

Das Buch ist spannend zu lesen: Wird es dem Autor gelingen, seine Trauer zu bewältigen? Es ist ein ständiges Auf und Ab, ein Wechsel von guten und schlechten Tagen, was Rey schildert. Und ein dramatisches Geschehen, das ihn an den Rand seiner Existenz führt.

Es ist auch ein Ringen mit Gott. Rey, der Theologie studiert hat, setzt sich mit dem Glauben an die Auferstehung intensiv auseinander. Kann das Vertrauen auf Gott tragen, wie es auch seine Frau gelebt hat? Trotz aller Erschütterungen? Rey stellt sich den Zweifeln. Er hadert auch mit Gott. Und entdeckt vieles neu – gerade auch im Lesen der Bibel, in deren Texte (Psalmen etc.) er sich hineinversetzt, die er sich teilweise aneignet, indem er sie umformuliert (vgl. S. 142-147).

Ein bemerkenswertes Glaubenszeugnis eines Mannes, eines intellektuellen, kritisch und rational denkenden Menschen. Und so kann man es auch annehmen, wenn Rey von merkwürdigen, intensiven Träumen, ja von Gesichten seiner Frau berichtet, von seltsamen Zufällen und Begegnungen. Sie begleiten ihn durch seine Trauer, bringen ihn weiter, trösten ihn; versichern ihm, dass ihn seine Frau nicht endgültig verlassen hat. Alles Einbildung? Dazu Rey: „Ich kann derartige Beziehungsphänomene, wie sie sich zwischen durch den Tod getrennten Partnern oder Eltern und Kindern ereignen können, trotz aller Vorsicht und Selbstkritik jedoch nicht samt und sonders auf Wunschprojektionen oder bloße Fantasien reduzieren. Sie … hängen einfach mit der Tatsache zusammen, dass unsere Identität über den Tod hinaus in einer neuen Wirklichkeit fort existiert.“ (S. 162)

 

Martin Hochholzer

 

 

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