Prömper / Jansen / Ruffing / Nagel (Hrsg.), Was macht Migration mit Männlichkeit?

Hans Prömper, Mechtild M. Jansen, Andreas Ruffing, Helga Nagel (Hrsg.), Was macht Migration mit Männlichkeit? Kontexte und Erfahrungen zur Bildung und Sozialen Arbeit mit Migranten. Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills 2010. ISBN: 978-3-86649-343-8, 224 Seiten.

 

„Jeder Lehrplan müsste die Verschiedenheiten von Männlichkeiten berücksichtigen und ebenso das Wechselspiel zwischen dem sozialen Geschlecht und Rasse, Klasse oder Nationalität, wenn er nicht in eine generelle Verherrlichung oder aber Negierung von Männlichkeit verfallen will.“ schrieb Robert W. Connell Mitte der neunziger Jahre in „Der gemachte Mann“. Über zehn Jahre sind verstrichen, bis sich in der sozialpädagogischen Geschlechterforschung die ersten Praxisbeispiele aus der Männerforschung mit den interkulturellen Erfahrungen der Migrations-forschung verbunden haben. Die Tagungsergebnisse des Sammelbandes „Was macht Migration mit Männlichkeit?“ leisten diese, fast überfällige, Zusammen-führung.

Dass sich die Männerforschung in Deutschland bislang in ihrem wissenschaftlichen Diskurs fast ausschließlich auf die sogenannten „Mehrheits-deutschen“ bezogen hat, ist einerseits dem redlichen Bemühen geschuldet, diese lange vernachlässigte Zielgruppe überhaupt in den Focus von Forschungsinteressen zu nehmen, andererseits eine Auswirkung der eurozentristischen Sichtweise, die trotz aller Diversitätsbestrebungen immer noch vorherrscht.

So wird in dem Beitrag von Michael Tunc anschaulich beschrieben, dass man nur mit einem höchst multifaktoralem Ansatz den differenzierten Ausprägungen annähernd gerecht werden kann, denn die Prägungen und Ursachen von Verhaltensmustern korrelieren keineswegs entsprechend irgendwelcher stereotypen Vorannahmen. Beispielsweise sind sich Männer, eines bestimmten Milieus wesentlich ähn-licher, haben zahlreiche Gemeinsamkeiten, als z.B. Gleichreligiöse oder Männer mit gleicher kultureller Herkunft und werden im bildungsfernen Milieu traditionelle, auch religiöse Männlichkeitsvorschriften, die ja als scheinbar biologisch und deshalb existenziell bedingt vermittelt.

 

Brigitta Kreß

 

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