Mink, Die Religiosität von Männern.

Mink, Peter-Josef: Die Religiosität von Männern. Eine qualitativ-empirische Untersuchung von Männern der Jahrgänge 1945 bis 1955. Reihe Religion und Biographie, Bd. 19. Lit-Verlag, Berlin 2009. ISBN: 978-3-8258-1834-0. 240 Seiten.

 

Männer sind religiös scheu, diskret und eigenwillig, aber in einem offenen Diskurs gerne ansprechbar. Kirche solle ihnen Räume anbieten, in denen sie von ihrem Leben und Glauben erzählen können. Damit sie in ihrer Subjektwerdung und in ihrem Fragen nach sich selbst unterstützt werden. Dies ist nun nicht einfach eine Behauptung, die Peter-Josef Mink in die Welt setzt. Es ist das Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit vier qualitativen narrativen Interviews.

Von neun qualitativen Interviews mit Männern der o.g. Geburtsjahrgänge hat Mink vier ausgewertet und einer zusammenfassenden Bewertung unterzogen. Mit Mitteln der Erzählanalyse und der strukturalen Her-meneutik nach Schütze und Oevermann geht er eigengeformte Religiositätsphänomenen nach. Ihn leitet das Interesse, zu einer „Wertschätzung der Dignität des Mannes“ (S.4) gerade auch in der Kirche beizutragen. Religiosität ver-steht er „als integrativer Bestandteil der Lebensgeschichte“ (S.10). Theologisch sieht Mink die von ihm vertretene Option für die Würde des Einzelnen insbesondere im Vati-canum II sowie in der Theologie Karl Rahners grundgelegt. „Die Geschichte der Gotteserfahrung und die Geschichte der Selbsterfahrung stehen nicht losgelöst nebeneinander, sie bilden zwei Aspekte der einen Erfahrungsgeschichte eines Menschen.“ (S.24)

Dies habe Konsequenzen für die praktische Pastoral: „Grundsätzlich heißt das, dass die individuelle geistige Person ins Zentrum kirchlichen Denkens und Handelns zu rücken ist.“ (S.25)

Religiosität basiert auf einer Sozialisation, sie kann aber auch verloren gehen. Insgesamt ist ihre Ausgestaltung abhängig von der von der psychischen Struktur eines Menschen und von seinen Lebenskontexten. (S.185) Für ihre Tradierung und persönliche Akzentuierung erweisen sich in Minks Studie religiöse oder religiös affizierte Emotionen als sehr bedeutsam; Religiosität und Emotionalität unter Männern sei aber ein vernachlässigtes Thema. Auffällig, dass Männer ihre Religiosität nicht in Zweierbeziehung und Familie thematisieren. Ist ihnen Religiosität nicht so heilig und kostbar, dass sie diese in einem diskreten Rahmen verorten – so fragt Mink angesichts dieses Befundes.

Da sich bei den Interviewten aber Religiosität als Prozess des Suchensfreilegen lässt, fordert Mink als Konsequenz, kirchlich der tatsächlichen religiösen Suche des einzelnen mehr Gewicht zu geben (S.197).

Die Stützung der Religiosität der Väter, die Förderung der religiösen Entwicklung von Jungen, die Auseinandersetzung von Männern mit der eigenen Lebens- und Glaubensbiografie erweisen sich als zentrale Forderungen an die kirchliche Männer-seelsorge – im Sinne einer „Pastoral von An-gesicht zu Angesicht“ (S.201f). Am wich-tigsten aber sei zu erspüren und zu berücksichtigen, wie Männer überhaupt in der Kirche wahrgenommen würden! Aber das war ja der Ausgangspunkt: Die Wertschätzung der Subjektivität und Personalität des einzelnen Mannes. Diese scheint nicht nur Mink, sondern auch den untersuchten Männern immer noch in der Kirche zu fehlen. Schade? Oder Auftrag, es besser zu machen?!

 

Hans Prömper

 

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