Jansen / Röming/ Rohde (Hrsg.), Gender Mainstreaming.

Mechtild M. Jansen/Angelika Röming/Marianne Rohde (Hg.), Gender Mainstreaming. Herausforderung für den Dialog der Geschlechter. Olzog-Verlag, München 2003. ISBN 3-7892-8124-7. 319 Seiten, € 19,50.

 

Als Instrument zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit vor allen Dingen in Organisationen wird seit einigen Jahren das Konzept des Gender Mainstreaming (GM) diskutiert. GM zielt darauf, die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern als Querschnittsaufgabe in alle Sach- und Aufgabenbereiche einer Organisation einzuschreiben und damit Geschlechter- und Gleichstellungspolitik also nicht mehr wie so oft in der Vergangenheit zu separieren bzw. als nachgeordneten Arbeitsbereich zu behandeln. Obwohl GM seit 1999 auf europäischer Ebene als Prinzip im Vertrag von Amsterdam verankert ist, lösen Begriff und Sache nach wie vor in der öffentlichen Diskussion noch viele Fragen, zuweilen auch Irritationen, Skepsis und Abwehr aus. Dies gilt nach meinem Eindruck auch für die innerkirchliche Diskussion.

Hier nun will der vorliegende Sammelband „als Information zur Annäherung an das Thema und gleichfalls als Handbuch für die Praxis“ dienen, wie es im Umschlagtext heißt. Das Buch ist in drei thematische Abschnitte aufgeteilt: Im ersten Teil werden Begriff und Sache gerade auch im Unterschied zur klassischen Geschlechter- und Frauenpolitik resp. Frauenförderung erläutert, die historische Entwicklung nachgezeichnet und die Umsetzung im Rahmen von Organisationsentwicklung dargestellt. Der zweite Teil hat die Auswirkungen von GM auf die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsqualität im Blick, während der dritte Teil die Bedeutung in Gesellschafts-, Wissenschafts- und Bildungspolitik zu erörtern sucht. In diesem Teil findet sich auch ein wichtiger Überblicksartikel von Ulrike Gentner zu GM im kirchlichen Kontext. In ihrem Beitrag stellt sie abschließend fest, dass die praktische Umsetzung von GM im kirchlichen Kontext „ein steiniger Weg“ ist und praktische Erfahrungen bislang „nur rudimentär“ (S. 285) vorliegen, betont aber zugleich und mit Recht, dass auch im (Arbeitsfeld) Kirche GM ein zukunftsweisender und praktikabler Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit sein kann.

Den einzelnen Beiträgen sind jeweils umfangreiche Anmerkungen und Literaturangaben beigefügt. Ein Autoren- und ein Stichwortverzeichnis runden den empfehlenswerten Band ab, der im Übrigen für hessische und rheinland-pfälzische „Landeskinder“ kostenlos über die jeweiligen Landeszentralen für politische Bildung zu beziehen ist. Eine Rückfrage an die Herausgeberinnen aus Männerperspektive sei dann doch am Schluss noch erlaubt: Wenn ich richtig gezählt habe, stehen 14 Autorinnen 3 Autoren gegenüber. Drückt sich darin aus, dass es nach wie vor es weitaus mehr Frauen als Männer sind, die sich mit dem Thema GM beschäftigen? Und wenn nicht, was sind dann die Gründe?

 

Andreas Ruffing

 

 

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