Fastenimpuls -Ostersonntag

Apostelgeschichte 10, 34a und 37-43

 

Von Freunden aus Lateinamerika habe ich erzählt bekommen, was bei Beerdigungen dort immer wieder geschieht. Die Familie und der Freundeskreis des Verstorbenen sind am Grab versammelt. Der Sarg wird in die Erde gesenkt. Und plötzlich erschallt der Ruf „Präsente!“, der zunehmend und vielstimmig aufgenommen wird. „Präsente!“ bedeutet: Er ist hier. Er ist uns gegenwärtig. Oder auch: Er ist auferstanden.

 

Genau so verstehe ich die Predigt des Petrus, wie sie der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte festhält. Gegen allen Augenschein legt Petrus ein Glaubensbekenntnis ab. Er erinnert seine Zuhör an die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu und immer wieder daran, dass es eine Fülle von Zeugen gibt für das heilende und wunderbare Wirken Jesu genauso, wie für seinen grausamen Tod am Kreuz. Und dann: dass es sogar dort, wo Petrus gerade predigt, nämlich im Haus des ja eigentlich zu den Feinden gehörenden römischen Hauptmanns Kornelius, selbstverständlich Zeugen für die Auferstehung Jesu gibt, Menschen, die mit ihm nach seiner Auferstehung gegessen und getrunken haben.

 

„Präsente!“. Wir bezeugen das, allem Augenschein zum Trotz. Wir bezeugen heute, dass Jesus unter uns ist und wirkt. Wir bezeugen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Und wir bezeugen mit unserem Leben, dass die Spur Jesu nie verloren gegangen ist, durch die Jahrtausende hindurch.

 

Ich arbeite als Stadionpfarrer im Frankfurter WM-Stadion. Solches Bezeugen von nachhaltiger Wirksamkeit kenne ich auch aus unserer Nordwest-Kurve, dort wo die enthusiastischsten Eintracht-Fans stehen. Wann immer die Nummer 14 ins Spiel kommt, ruft der Stadionsprecher den Vornamen „Alex“ und die Fangemeinde antwortet zehntausendstimmig: „Meier, Fußballgott“. Und sie besingt den Torschützenkönig der Bundesligasaison 2014/15 mit dem Lied: „Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft, wie er will, sogar mit dem Zopf“. Dieses Bekenntnis gilt – auch wenn der 35jährige Angreifer in den vergangenen Monaten durch eine Reihe von Verletzungen gar nicht mehr zum Einsatz kommen konnte. Dennoch ist er in der Fangemeinde „Präsente!“, gegenwärtig, einfach da.

 

Und ich denke mir dann, wenn die Fangemeinde in der Lage ist, derart entschlossen die Gegenwart des Abwesenden zu feiern, wie viel entschlossener kann das die Christengemeinde, die mit Ostern den Sieg des Lebens über den Tod bezeugt.

 

Eugen Eckert

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