Fastenimpulse 2021 – Ostersonntag

Erwarte den Tag

 

Corona hat mein Leben eigentlich total aus dem Rhythmus gebracht – Adieu Klosteralltag. Ich bin zu einer Schwesterngemeinschaft mit Kinderheim gezogen, um mit ihnen eine Hausgemeinschaft zu bilden. So wohne ich seit nunmehr einem Jahr in 1A Lage am Ammersee mit Blick über See und Alpen – gerade auch heute ein wunderbarer Sonnenaufgang. Und doch merke ich: die Brüder fehlen mir schon etwas – ein Bier beim gemeinsamen Abendessen oder ein Ratsch in Männerrunde. Und das habe ich den Brüdern dann auch gesagt – das wäre vermutlich immer ungesagt geblieben: „Schön, dass ihr da seid, mit mir in unserem Kloster lebt, dass wir unser gemeinsames Leben führen.“ Sie waren echt überrascht: „Ja, wirklich?“ und es kam Verbundenheit auf.

 

Nahezu 365 Tage ohne Konvent – an wenigen war ich in der Abtei. Und genau in diesen Tagen oder Nächten, durfte ich Nachtwache halten bei meinem Landsmann. Unser letzter Dialog vor seinem Tod war auf alemannisch: „Bist du da?“ „Ja, ich bin da!“ Welch biblisches Vorbild für diesen Wortwechsel – göttlich, himmlisch. Eine Erfahrung der Anwesenheit des „Ich bin da“. In unserer Mitte, in der Stunde des Todes und des neuen Lebens. Auferstehung!

 

Eine Anregung:

In der Stille des Morgens, noch in der Nacht, setze ich mich eingehüllt ans offene Fenster und blicke dem kommenden Licht entgegen. Es kommt und es überkommt mich. Der ewige Ostermorgen, dass immer neue Licht, das unser Leben erhellt. Leben im Licht des Ostermorgens.

Ich weiß, ich kann leicht reden. Ich sitze hier in der Poolposition; vor mir der Ammersee, Blick nach Osten. Aber vielleicht erwischt Ihr gelegentlich auch so eine Position. Aber egal wo und wie – der Tag kommt, die Sonne geht auf, an jedem Tag über unserem Leben.

 

Tobias Merkt OSB

 

 

 

 

 

Related Posts