Fastenimpulse 2022 – 3. Fastensonntag

 

Menschen und Dingen ihre Zeit lassen

Es gibt vieles, was wir nicht verstehen, weil es nichts zu verstehen gibt. Kein „Sinn“. Die Corona-Pandemie war für mich keine große Umstellung in Sachen Katastrophen. Bereits davor starb einer meiner besten und prägendsten Freunde. Mein Vater wäre beinahe nach einer “Routineoperation” gestorben. An die fünfzehn weiteren Personen aus meinem weiteren Umfeld starben in den letzten 2 Jahren. Entweder durch Krankheit, Unfall oder Suizid. Viele Fragen ohne Antworten. Ausbruch und Verbreitung von Covid19 waren keine Hilfe für einen extravertierten Menschen wie mich. Freundschaften und andere Gruppen gingen aus verschiedenen Gründen und Fragestellungen auseinander. Mich in dieser Zeit mit einem eingegangenen Feigenbaum (s.u.) zu vergleichen, wäre noch schmeichelhaft…

Aber es gab virtuellen Austausch mit dem mittlerweile über die Republik verstreuten Freundeskreis, den ich vor zwei Dekaden über meinen nun verstorbenen Freund kennengelernt hatte. Gemeinsam wurde über die Pandemie gerätselt und offen über Schwierigkeiten gesprochen oder einfach unterhaltsamer Nonsens fernab des Alltags goutiert. Das hat geholfen.

Und als Familie wuchsen wir mehr zusammen. Auch wenn es schwierig war, gaben wir uns gegenseitig Halt. In dieser Zeit entschieden wir uns für ein zweites Kind. Das Luther‘sche Apfelbäumchen per se (virtuos von Reinhard Mey besungen).

Hoffnung scheint mir das Hauptthema des Gleichnisses vom unfruchtbaren Feigenbaum zu sein. Wir wissen nicht, wie es ausgeht, ob sich der Aufwand lohnt, ob der Baum nochmal Frucht bringt. Es bleibt alles offen. Es ist wie mit unserer Welt: ob Krieg, Klimawandel, Pandemie oder was auch immer der Ohrfeigenbaum der Welt morgen für uns bereitet: wir sollten, gerade weil der Ausgang ungewiss ist, unser Bestes tun, damit es eine Welt bleibt und wird, in der es sich zu leben lohnt. Mit Chuzpe voranschreiten und sich an das Gute, Richtige und Schöne halten. Wohin es auch gehen mag. Weitergehen. Und mit dem Mist der Gegenwart die Zukunft düngen.

Hoffnung ist Handarbeit.

 

Text: Sam K.

Biblischer Bezug: Lk 13,1-9 (Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum)

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