Hammer, Männer altern anders.

Eckart Hammer, Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung. Herder, Freiburg – Basel – Wien 2007. ISBN 978-3-451-29717-5. 224 Seiten, € 14,90.

 

Eckart Hammer ist Professor für Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigsburg – und jetzt auch dabei: über 50. Mit seinem Büchlein will er dazu beitragen, die Wissenslücke über dieses Drittel der Männer in Deutschland zu schließen. Denn die Alterungswissenschaft und die kritische Männerforschung haben die Senioren bislang eher übersehen. Vielleicht, so seine Vermutung, weil der alte Mann fast schon ein Synonym für Unmännlichkeit sei. Er wendet sich mit seinem Buch an Männer, um ihnen Risiken und Chancen des Älterwerdens bei Männern zu erschließen, seien sie professionell oder persönlich interessiert. Frauen könnten aber auch einen Gewinn davon haben, nämlich mit dieser Spezies besser klarzukommen.

Fünf Themen. Die Kapiteleinteilung erfolgt entlang der fünf Säulen der Identität nach Hildegund Heinl und Hilarion Petzold: Arbeit und Anerkennung, soziales Netz, Körper und Leiblichkeit, materielle Sicherheit, Werte und Sinn. Hier gilt es jeweils, eine Balance zwischen den Extremen zum finden, zum Beispiel beim „Leben jenseits der Arbeit“ die bekömmliche Ausgewogenheit von Aktivität und Langeweile oder bei den sozialen Netzen die Mitte zwischen verlorener Einsamkeit und überbordender Gemeinschaftssucht.

Fünf Gespräche. (Mehr nicht?) Zur besseren Illustration und Anschlussfähigkeit beginnt er jedes Kapitel mit der Beschreibung der Lebenssituation eines Mannes, mit dem er ein Gespräch führte. Allesamt eher gutsituiert. Es folgen dann Informationen, je nach Thema zur Suizidgefährdung (viel höher als bei Frauen), zu Gesundheit, Demenz, Wohnen, Pflege, Armut oder Generationenverhältnis. Dabei erfahren wir, dass Männer vermutlich die besseren Pfleger sind – sie können sich besser abgrenzen als die Frauen – und dass wir noch nie so viel Lebenszeit im Alter hatten wie heute. Wir sind die erste Generation, die ihr Altern selbst erfinden kann und muss. Die nachberufliche Lebensspanne ist so lang und gestaltbar wie noch nie vor uns.

Es ist schade, dass Eckart Hammer beim Thema Krankheit, Tod und Sterben die Sinnfrage etwas verkürzt nur auf das Annehmen des bisher gelebten Lebens bezieht. So kommt die unausweichliche Endlichkeit des Lebens als Herausforderung und Chance einer spirituellen Vertiefung und Ausrichtung für mich zu oberflächlich in den Blick. Das Thema „abschiedliche Bildung“ (ein Begriff des Erwachsenenbildners Rolf Arnold) enthält an diesem Punkt eine tiefere Dimension, auf die Eckart Hammer leider nur wenig eingeht. Vielleicht nicht eingehen kann?

Die Lektüre hat einen Vorteil: Sie gewöhnt an die Normalität des Alterns. Die Formatierung ist altersgerecht (sprich: große, übersichtliche Schrift). Ein wenig mehr inhaltliche Komplexität hätte ich mir allerdings gewünscht. Aber wahrscheinlich ist das nicht das Ziel einer „Gebrauchsanweisung“.

 

Dr. Hans Prömper

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