Deusel, Mein Bund den ihr bewahren sollt.

Antje Yael Deusel, Mein Bund den ihr bewahren sollt. Religionsgesetzliche und medizinische Aspekte der Beschneidung. Verlag Herder, Freiburg i. Br. 2012. ISBN 978-3-451-30612-9. 167 Seiten.

 

Die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen, wie im Judentum und im Islam ausgeübt, war ein beherrschendes öffentliches Thema im Frühjahr und Sommer 2012. Nachdem im Oktober das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf zur Neuregelung vorgelegt hat, ist es merklich ruhiger um das Thema geworden. Zu erinnern ist allerdings daran, dass im Ton zuweilen scharf und verletztend die unterschiedlichen Meinungen aufeinanderprallten. Und gerade von jüdischer Seite wurde der öffentliche Diskurs in Deutschland mit einiger Sorge betrachtet. Auch die Autorin, Urolo-gin und Rabbinerin der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, mit Lehrauftrag für Judaistik an der Universität Bamberg teilt diese Sorge. Denn in ihrem Buch spricht sie davon, dass in der Debatte viele Polemisches gegen die Beschneidung zu hören war, „das auf eine mehr oder minder offen feindselige Einstellung gegenüber dem Judentum und seiner religiösen Grundlagen und Traditionen hinweist“ (S.148).

Wie erwartet spricht sich die Autorin für die rituelle jüdische Beschneidung aus, allerdings unter medizinischen Gesichtspunkten nach dem aktuellen chirurgischen Standard“ (ebd.), wie sie ausdrücklich betont. Ihr Plädoyer für die Beschneidung wird verständlich, wenn man sich mit der Rabbinerin in auf den Weg durch die jahrhundertelange Geschichte diese Rituals und seines zentralen Stellenwertes im Judentum macht. Genau hier liegt die Stärke des Buches, dass im Gespräch mit der jüdischen Tradition uns heutigen Zeitgenossen das für viele archaisch anmutende Ritual der Beschneidung in seinen Tiefendimensionen erschließt. Genau dieses Wissen aber ist bei weiteren Diskussionen notwendig, übrigens auch in der Männerarbeit in und außerhalb der Kirche, in der die Beschneidung von Jungen in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls zum kontrovers diskutierten Thema wurde.

 

Andreas Ruffing

 

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