4. Fastensonntag „Die Augen öffnen lassen“

  1. Fastensonntag: „Die Augen öffnen (lassen)“ Joh 9,1-41

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!“

Dieser, meiner Meinung nach zurecht, oft zitierte Satz des kleinen Prinzen fiel mir ein, als ich über das Augen öffnen (lassen) nachdachte. Als Jesus einen von Geburt an Blinden heilte, dachte ich: „Typisch Jesus! Da ist jemand blind und wird mal eben so geheilt“ Irgendwie auch sehr männertypisch. Es gibt ein Problem also muss eine Lösung her. Wenn man jedoch nicht wie Jesus über göttliche Kräfte verfügt ist es dann doch nicht so einfach. Zunächst muss man sich klar werden, dass jemand der von Geburt an blind ist keine Ahnung davon haben kann, was es bedeutet zu sehen. Er muss darauf vertrauen, dass es einen Sinn wie Sehen überhaupt gibt und er muss darauf vertrauen, dass dieser Sinn ihm im Leben weiterhilft. Und nur weil er dies tut, weil er vertraut, lässt er sich von Jesus berühren. Und dies ist meiner Erfahrung nach eben nicht gerade etwas männertypisches. Wenn ich wieder an den kleinen Prinzen denke, erlebe ich oft Männer, die sehr rational sind, viele Zweifel haben und sich oftmals nicht trauen, mit ihrem Herzen in die Welt zu blicken. Oftmals weil ihnen das Vertrauen fehlt, dass es genau dieser Sinn ist, der Ihnen im Leben das Wesentliche zeigt. Ich wünsche diesen Männern zum einen, dass sie die Neugier finden, auf ihr Herz zu schauen und diesem vermeintlich unmännlichen Sinn die Aufmerksamkeit schenken, den er verdient und zum anderen den Mut, sich von anderen ihr Herz anrühren zu lassen.

Mir ist bewusst, dass dies nicht leicht ist und Überwindung kostet. In der Bibel streicht Jesus dem Blinden einen Teig aus Sand und Speichel auf die Augen, eine sehr unappetitliche Prozedur, wie ich finde. Aber auch das ist Teil des Lebens, es gibt nichts geschenkt und manchmal muss man einiges überwinden oder über sich ergehen lassen, wenn man Neues entdecken will. Und dies erlebe ich auch, wenn ich auf mein Herz schaue. Dort sehe ich: Dinge, die mir Angst machen, wo meine Sehnsüchte liegen, was mich traurig macht. Dort finde ich Energie für neue Aufgaben, Humor und Leichtigkeit und für mich das Wichtigste: Die Beziehungen und die Liebe zu anderen Menschen.

Was genau jeder Einzelne von Ihnen dort sieht ist letztlich meiner Meinung nach auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist die Erkenntnis, dass sich eben dort das WESENTLICHE abspielt.

Rüdiger Jähne

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