1. Fastensonntag: „Mein Vater war ein Heimatloser“

Fastenimpuls zum 1. Fastensonntag Heute, kurz vor dem 4. Advent im Jahr 2015, schreibe ich diesen Fastenimpuls zum ersten Fastensonntag im neuen Jahr. „Mein Vater war ein Heimatloser“, darum soll es heute gehen.

Aktuell stehen nicht nur viele Heimatlose vor unserer Tür, nein, sie sind zu Hunderttausenden bereits eingetreten. Ich denke, dass sich die Situation in zwei Monaten nicht geändert haben wird. Mein leiblicher Vater war kein Heimatloser. Auch meine Kinder haben keinen heimatlosen Vater. An der Grenze zwischen dem Münsterland und dem Ruhrgebiet ist unsere Heimat, hier sind wir zuhause. Aber wenn ich in unserer Familiengeschichte zurückschaue, brauche ich gar nicht viele Generationen zurückzugehen. Da tauchen die Vorfahren auf, die sich aus Ostpreußen auf den Weg gemacht haben ins für sie verheißene Westfalen.

Im Buch Deuteronomium, Kapitel 26, stehen die Gründe, warum Menschen ihr Land verlassen und das Land suchen, von dem sie meinen oder wissen, dass Gott es für sie bereitet hat. Was in der Bibel galt und gang und gäbe war, was meinen eigenen Vorfahren recht und billig war, warum sollte es nicht auch für das Heer der Heimatlosen gelten, die an den Toren Europas stehen oder diese bereits durchschritten haben? Nein, mir macht diese Menschenwanderung keine Angst, obwohl ich die Sorgen derer verstehe, die dabei Angst empfinden. Ich glaube, dass wir durch die Flucht vieler Menschen die Realität dieser Welt vor Augen geführt bekommen. Eine Welt, die immer noch Krieg, Terror und Unrecht kennt und die heute genauso dringend die Auferstehung Jesu und die Vergebung unserer Sünden braucht. Machen wir uns doch nichts vor. Können wir wirklich so naiv sein und glauben, dass wir als Europäer, als Deutsche und ganz persönlich keinen Anteil an Krieg, Terror und Unrecht haben? In unserer globalen Welt habe ich fast keine Chance nicht irgendwie involviert zu sein. Wo und was kaufe ich ein, warum verbrauche ich mehr Energie als die meisten Menschen dieser Welt, weiß ich, in welchen Fonds meine Lebensversicherung mein Geld investiert, etc.?

Ja, wir sind Bestandteil dieser Welt mit Ihren Problemen und Nöten. Wir sind aber auch Bestandteil der Lösung. Im oben erwähnten Kapitel steht, dass wir von unseren Früchten des Feldes abgeben sollen. Wir können abgeben, teilen und teilhaben lassen. Durch alle Ängste, Schwierigkeiten und Zweifel hindurch. Dann gilt auch heute noch, was am Ende des Kapitels 26 steht: „Wenn du den Korb vor den Herrn, deinen Gott gestellt hast, sollst du dich vor deinen Gott niederwerfen. Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, was der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat: du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte.“

Solche Gedanken kommen einen, wenn man im Advent an Ostern denkt!

Autor: Stephan Buttgereit

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