Buchbesprechung von „Mann berät Mann“

Immer wieder sind Klagen aus der psychosozialen Beratungsszene zu hören, dass die Angebote mehrheitlich von Frauen in Anspruch genommen werden, die Männer aber nach einem anfänglichen Interesse zunehmend der Beratung fern bleiben. Auch der Gesundheitsbericht über die Männer spricht davon, wie sehr Männer das Gespräch mit einem Arzt vor allem in psychischen/seelischen Belangen hinauszögern, bis schließlich das Ausmaß der Erkrankung besorgniserregende Formen angenommen hat.
Manch einer der BeraterInnen und Ärzte rätseln seit Jahren an der Ursache dieses Phänomens.
Markus Kraxberger aus Linz in Österreich, selbst in der Beratung tätig ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen und hat erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Diese Ergebnisse beginnen allmählich die Beratungslandschaft in Österreich zu verändern.
Um das Ergebnis vorweg zu nehmen, kann man vereinfacht sagen: „Da wo Männerberatung draufsteht und Männer drin sind, kommen die Männer in Scharen“
Aber der Reihe nach. Herr Kraxberger hat eine qualitative Befragung mit vier Männern durchgeführt. Er gibt dabei viel Einblick in die Art und Weise seiner qualitativen Forschung und die Antworten der Befragten werden wortgetreu im österreichischen Dialekt zitiert. Dadurch sind auch seine grundsätzlichen Schlussfolgerungen immer unmittelbar nachzuvollziehen. Es ist spannend, ihm in diesem Prozess der Erkenntnisgewinnung zu folgen und an dem Entstehen der Ergebnisse teilzuhaben.
Und was sind die Ergebnisse? An Ende des Buches sind die Ergebnisse kurz und knapp zusammengefasst. Wer die Begründungen sucht, sollte das ganze Buch lesen.
o Männer schätzen es, in der Beratung als ganzer Mann angesprochen und nicht auf ein Problem reduziert zu werden. Das gibt ihm die Sicherheit, auch kritisch sein Verhalten als Mann zu reflektieren.
o Männer wünschen sich im beratenden Mann einen „Experten“ und einen „normalen“ Mann, die ihnen auf Augenhöhe begegnet und auch von sich erzählt. Männer sehnen sich nach Beziehungen zu anderen Männern, auch wenn sie sich damit in der Regel schwer tun.
o Der beratende Mann kennt die Welt der Männer, sie müssen vieles nicht lange erklären; der Berater darf sie auch konfrontieren und anfragen, wenn dies von grundsätzlicher Wertschätzung geprägt ist.
o Frauen als Beratende trauen die Männer kein tiefgreifendes Verständnis ihrer Lebenswirklichkeit zu; außerdem möchten sich Männer vor Frauen eher in einem guten Licht darstellen.
o Die Tatsache, dass ein Mann sie berät und sich mit diesen Themen befasst, erleben die ratsuchenden Männer als männliche Anerkennung, sich selbst mit diesen ihren Fragen und Problemen beschäftigen zu dürfen.

Markus Kraxberger hat komplizierte Sachverhalte interessant dargestellt und seine Ergebnisse sind auch durch wiederholte Verweise leicht nachzuvollziehen.

Markus Kraxberger, Mann berät Mann, Besonderheiten, Vorzüge und Qualitäten, Ole Verlag, Wien 2014

Für die Buchbesprechung: Hubert Frank, Männerseelsorger und Gewaltberater in Mainz