Christoph Hutter, Männer
Rollen und gute Orte

LIT-Verlag Münster, 2017

Der Autor, Psychodramatiker und Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberater, schreibt über die Verletzung der Rollen von Männern, aber auch über gute Männerorte.

Im ersten Teil des Buches analysiert der Autor zunächst die Situation von Jungen und Männern heute. Für ihn schadet die Verkürzung der Männerrollen gleichermaßen Männern und Frauen. Er konstatiert denn auch in seiner Einführung, dass es „heute eine starke Frauenbewegung, aber lediglich eine schwache, oftmals stille und wenig präsente Männerbewegung gibt“.
Es geht dem Autor darum, die Verletzungen der Männerrollen herauszuarbeiten und sie in Ihrem Zusammenspiel zu verstehen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Beschädigung der Männlichkeit durch das Patriarchat. Die gesellschaftlichen Machtstrukturen würden die Zerstörung des Zugangs zu Gefühlen und Freundschaften auf die Männer selbst zurückfallen. In einem Kapitel zur feministischen Auseinandersetzung weist der Autor auf den ambivalistischen Blick der feministischen Diskurse für Männer hin: Einerseits verdanken Männer dem Frauenaufbruch viele Anstöße, andererseits sei der Feminismus anfällig für eine Abwertung der Männer- und eine Idealisierung der Frauenrollen. Außerdem sind viele Diskurse aus der Emanzipationsbewegung der Frauen keine Männerdiskurse.
Im Kapitel zur Misandrie – die Abwertung von Männern als kulturelles Muster, geht es konkret um offenen Männerhass und das Verleugnen der Leiden von Männern. In weiteren Kapiteln werden die Arbeit- und Arbeitswelten, biologische Verunsicherung, Beziehungen, Not von Jungen und jungen Männern beleuchtet. Allerdings bemerkt der Autor, dass die Verletzungen der Männerrollen im Bewusstsein vieler Menschen noch nicht angekommen sind.

Im zweiten Teil des Buchs geht es um Räume, in denen lebendige und kraftvolle Männlichkeit und Väterlichkeit gelebt werden kann. Wie sieht Männlichkeit aus, die die Verletzungen der Männerrollen überstanden hat und die eigenen Rollen weiterentwickelt? Es sind keine spektakulär neuen Räume, sondern eher die Bekannten: Sprache, Spiel, intime Beziehung, Freundschaft, Bildung, Arbeitswelt. In allen mahnt er eine Wertschätzung an. Beispielhaft plädiert er für eine Sprache der Wertschätzung, die eine latente und offene Abwertung des Männlichen durchbricht. „Wir müssen die Sprachen der Männer lernen und diese als gleichwertig, wenn auch verschieden von der weiblichen Sprache, anerkennen.

Die Verletzungen der Männerrolle müssen ebenso wie die Suche nach guten Männer- und Väterorden einen selbstverständlichen Platz im politischen Diskurs bekommen. “ In diesen Denkanstößen liegt sicherlich das Verdienst des Buches, denn Männerthemen muss ein politisches Gehör verschafft werden, um an gesellschaftlichen Lösungen zu arbeiten. Und ein weiteres: „Vielleicht muss die Bedeutung von Männlichkeit und Väterlichkeit auch auf einer spirituellen Ebene gesucht und erfasst werden.“. Diese beiden Themen- der politische Diskurs und die spirituelle Ebene- bleiben sicherlich nach dem Lesen des Buchs weiter zu verfolgen. Männer nehmt selbstbewusst den Dialog auf!

Jürgen Döllmann