Thomas Hertling, Jungen und Männer heute. Die erschwerte männliche Sozialisation in der modernen Gesellschaft und ihre Folgen (Reform und Innovation. Beiträge pädagogischer Forschung 9). Lit Verlag, Berlin 2008. ISBN 978-3-8258-1602-5. (8 +) 209 Seiten, 24,90 €.

 

Nichts überraschend Neues erfährt wohl derjenige aus dem Buch, der sich schon länger mit der männlichen Sozialisation beschäftigt, also damit, wie aus Jungen Männer werden und was sie dabei prägt, formt – und belastet. Denn mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass Jungen in der Schule und dann in der Ausbildung tendenziell eher zu den Verlierern gehören.

Was Peter Hertling aber leistet, ist das Zusammenführen vielfältiger Erkenntnisse und darauf aufbauend eine systematische Analyse der Faktoren, die bei der männlichen Sozialisation eine Rolle spielen: insbesondere die Eltern und speziell die Väter, die Medien und die Schule. Dabei zeigt er eine Fülle von Strukturen, Umständen und Mechanismen auf, die eine Einengung dieser Sozialisation auf traditionelle männliche Rollenmuster bewirken.

Hertling bleibt aber nicht bei der Analyse stehen, sondern gibt Hinweise, wo eine geschlechtersensible Pädagogik ansetzen könnte, die eine „ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung“ und die „Konstruktion einer pluralen Männlichkeit“ (vgl. S. 129) der Jungen unterstützt; dabei formuliert er auch Forderungen an Eltern, Schulen und Politik.

Ein besonderes Augenmerk richtet Hertling u. a. auf die Situation homosexueller Jungen und Männer, die angesichts der von ihrer Umwelt als Norm vorgegebenen heterosexuellen Männlichkeit große Probleme haben, eine eigenständige, stabile Identität zu entwickeln.

Insgesamt also ein wertvoller Beitrag für alle, die geschlechtersensibel pädagogisch mit Jungen arbeiten und deshalb einen vertieften Blick für Zusammenhänge und Hinweise für einen neuen Ansatz suchen.

 

Martin Hochholzer