Almut Herrenbrück, Pflegende Söhne – gängige Rollenmuster oder neue Lebensentwürfe? Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 2010. ISBN: 978-3-86628-336-7. 113 Seiten.

 

So langsam geraten in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussionen über die Zukunft der Pflege und die Frage, wer denn dann eigentlich pflegt, auch die Männer in den Blick. Die von vielen nach wie vor geteilte Überzeugung, Pflege sei weiblich, führt in der Konsequenz dazu, dass Männer, die Angehörige pflegen, oftmals nicht wahrgenommen, als marginales Phänomen gesehen oder in ihrem pflegerischen Tun nicht wertgeschätzt werden. Die vorliegende Arbeit, die die Ergebnisse einer qualitativen Befragung von vierzehn Männern, die ihre Eltern pflegen, zusammenträgt, hilft hier differenzierter hinzuschauen und mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen: „Söhne leisten ‚wirkliche‘ Pflege, sie sind trotz Unterstützung zum Teil hoch belastet, in ihren Möglichkeiten deutlich eingeschränkt und erfahren nicht nur anerkennende und hilfreiche Reaktionen“ (S.82). Ob diese Männer freilich noch „gängige Rollenmuster“ besitzen oder schon „Vorreiter für neue Lebensentwürfe“ sind (S.84), lässt die Autorin letztlich offen und formuliert damit auch weiteren Forschungsbedarf für die Zukunft. Was für den Moment bleibt, ist u.a. die Erkenntnis, dass die interviewten Männer zwar wie so viele pflegende Angehörige in die Pflegesituation „hineingeraten“ sind, aber die Pflegearbeit mit einer großen Selbstverständlichkeit übernommen haben und diese trotz aller Belastungen „gerne tun“, wie es einer der Männer im Interview formuliert. Ein wichtiges Buch und ein Anstoß für einen geschlechtersensiblen Blick auf die Angehörigenpflege!

 

Andreas Ruffing