Peter Döge, Männer – Paschas und Nestflüchter? Zeitverwendung von Männern in der Bundesrepublik Deutschland. Verlag Barbara Budrich, Opladen 2006. ISBN 3-938094-32-X. 178 Seiten, € 19,90.

 

Was machen Männer den ganzen Tag? Insbesondere: Sind sie nicht nur im Beruf und bei ihren Hobbys zu finden, sondern auch in Haushalt und Familie?

Antworten darauf gibt die Zeitbudgetanalyse des statistischen Bundesamtes für die Jahre 2001/2002. 12600 Personen ab dem 10. Lebensjahr haben dafür an einigen Tagen akribisch ihre Tätigkeiten protokolliert. Das vorliegende Buch von Peter Döge – wahrlich kein Unbekannter in der Männerforschung – wertet nun die Daten mit Blick v. a. auf die Männer aus. Zahlen und Diagramme finden sich darinnen zuhauf. Mehr als die Hälfte des Textes sind Beschreibungen der statistischen Ergebnisse – eine eher trockene Materie, die für sich genommen nicht viel sagt.

Um auch zu einem Verständnis der Ergebnisse zu führen, ist zweierlei nötig. Zum einen muss man beachten, wie die Zahlen zustande kamen (vgl. dazu S. 19 f.). So wurden z. B. Personen bereits ab 10 Jahren befragt, und als „tatsächlich Ausübender“ gilt, wer am Untersuchungstag die entsprechende Tätigkeit mindestens 10 Minuten ausübte. Zum anderen ist es für das Verständnis der Ergebnisse entscheidend, dass diese mit anderen verglichen und in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Dafür greift Döge auch auf eine ganze Reihe anderer Studien zurück. Gerade im 1. Kapitel zeichnet er so nach, wie die Männerforschung den „neuen Mann“ entdeckte, der sich nicht nur in den Beruf, sondern auch partnerschaftlich zu Hause in der Familie einbringt.

Aber übernehmen Männer tatsächlich auch Haushaltsarbeiten? Das 2. Kapitel – „Männer zwischen Beruf und Familie“ – geht dem nach. Als ein Fazit stellt Döge fest, dass auch Männer ein Vereinbarkeitsproblem haben: Wenn sie ihre Arbeitszeit wegen der Familie reduzieren wollen, treffen immer noch viele auf Unverständnis.

Dennoch: Der Vergleich der Zeitbudgetanalysen von 1991/92 und 2001/02 im 3. Kapitel zeigt, dass sich etwas bewegt – wenngleich nur langsam. Die klassischen Rollenmuster sind weiterhin vorhanden. Zumindest am Wochenende scheint sich aber vielfach die neue Partnerschaftlichkeit durchzusetzen: Männer entlasten ihre Partnerinnen bei der Haus- und Familienarbeit.

Im 4. und 5. Kapitel kommt das Freizeitverhalten in den Blick – nicht nur die „klassische“ Freizeit, sondern auch Ehrenamt und soziale Aktivitäten; nur kurz wird der Bereich der Religion gestreift (S. 118).

Als ein Resümee stellt das 6. Kapitel noch einmal fest, dass Männer durchaus in Haus und Familie präsent sind. Es gibt ihn, den neuen Mann! Dennoch ist die Zeitverwendung von Männern höchst unterschiedlich. Deshalb – und damit geht Döge zu Forderungen an die Geschlechterpolitik über – ist im Sinne des „Managing Diversity“ nach Wegen zu suchen, die Männern und Frauen jeweils individuell gerecht werden.

Was lässt sich also insgesamt zu dem Buch sagen? Wer sich überraschende neue Ergebnisse erhofft, wird enttäuscht werden. Wer aber zuverlässige, detaillierte Zahlen zu einzelnen Bereichen und Entwicklungen sucht, hat in dem Buch ein kleines Nachschlagewerk parat.

 

Martin Hochholzer