Peter Döge, Männer – die ewigen Gewalttäter? Gewalt von und gegen Männer in Deutschland. VS Verlag, Wiesbaden 2011. ISBN: 978-3-531-17923-0. 173 Seiten.

 

„Männer sind Täter, Frauen sind Opfer!“ – Eine These, die sich bis heute in die Köpfe eingebrannt hat. Aber beschreibt diese polarisierende Gegenüberstellung die Realität der Gewalthandlungen unserer Gegenwart? Peter Döge, Politikwissenschaftler, geht der Frage nach Geschlecht und Gewalt anhand der Daten der im Jahre 2009 veröffentlichten Studie „Männer in Bewegung“ nach. Die Sonderauswertung der Männerstudie untersucht das Gewalthandeln von und gegen Männer entlang biografischer Merkmale (u.a. Alter, Bildungsmilieu, Kindheits- und Vatererfahrung), fragt nach dem Ort der ausgeübten und erlittenen Gewalt, nach der Häufigkeit sowie nach der Einstellung zu Gewaltakzeptanz und Religion der Männer.

Der Autor spricht sich dafür aus, dass der Gewaltbegriff weit gefasst werden sollte, d.h. zu Gewalt zählen sowohl physische Handlungen (treten, stoßen, beißen, vergewaltigen), als auch psychische Handlungen (jemanden mit einer Waffe bedrohen, beleidigen, anschreien, bedrängen). Wer sind aber nun die Täter und wer die Opfer? „34,5% der Männer, aber auch 30% der Frauen geben an, […] eine Gewalthandlung gegen eine andere Person ausgeübt zu haben“ (S.30). Weiter heißt es: „Demgemäß sind 45% der in der Männerstudie befragten Männer und 41 der Frauen Opfer von Gewalthandlungen“ (S.36). Die umfangreiche Sonderauswertung ist mit ihren Ergebnissen und ihren abschließenden Überlegungen für eine gewaltpräventiven Männerarbeit ein wichtiger Beitrag für die Arbeit mit Opfern und mit Tätern.

 

Manuel Gall