Jürgen Budde, Angela Venth, Genderkompetenz für lebenslanges Lernen. Bildungsprozesse geschlechterorientiert gestalten, Bertelsmann, Bielefeld 2010. ISBN: 978-3-7639-1978-9. 168 Seiten.

 

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Für alle, die in der (kirchlichen) Bildungsarbeit tätig sind und dies in einer geschlechtssensiblen und geschlechterorientierten Weise tun wollen, stellt der vorliegende, in der Reihe „Perspektive Praxis“ des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung erschienene Band ein unentbehrlicher Leitfaden und eine Pflichtlektüre dar. Von der frühkindlichen Bildung über den schulischen Bereich und den Übergang in die Erwerbsarbeit bis hin zur Erwachsenenbildung werden relevante Informationen aus Geschlechterforschung und -politik vermittelt und tragfähige Impulse zur pädagogischen Selbstreflexion gegeben. Wie notwendig dies ist, zeigt die Tatsache, dass im Bereich von Erziehung und Bildung nach wie vor traditionelle Geschlechterkonstruktionen zu beobachten sind oder in der Praxis vielfach Geschlechtsneutralität resp. Geschlechterblindheit das Feld beherrschen. Wie sehr aber Genderaspekte Bildungsprozesse beeinflussen und vom pädagogischen Personal gerade auch aus Gründen des Lernerfolges zu berücksichtigen sind, macht der vorliegende Band deutlich. Der große Gewinn des Buches besteht dabei darin, dass die einzelnen Phasen lebensbegleitenden Lernens im Zusammenhang gesehen werden und so eine isolierte Betrachtung der einzelnen Bildungsphasen vermieden wird.

Nach einem einleitenden Kapitel mit einigen grundlegenden Erörterungen rund um das Thema Bildung und Geschlecht folgen vier Kapitel, in der die einzelnen Bildungsphasen in drei Schritten behandelt werden. Zunächst werden Daten und Fakten zu Genderdimensionen in der betreffenden Bildungsphase präsentiert, die in einem zweiten Schritt einer Interpretation unterzogen werden, bevor Schlussfolgerungen für die Genderkompetenz des pädagogischen Personals gezogen werden. Eine Reihe von Reflexionsfragen, die ich als sehr anregend und weiterführend empfunden habe, sowie knappe Literaturempfehlungen runden jedes Kapitel ab. Der exakt gleiche Aufbau hilft im Übrigen, sich gut im jeweiligen Kapitel zurecht zu finden und die einzelnen Phasen miteinander zu vergleichen. Gut, dass am Ende des Buches ein Glossar (S.152-156) wichtige Fachtermini aus dem Bereich der Genderforschung erläutert und ein Literaturverzeichnis die bis 2009 erschiene Literatur aufführt. Auch die Männerstudie „Männer in Bewegung“ ist dort übrigens aufgeführt.

Was aber ist nun kennzeichnend für genderkompetentes pädagogisches Handeln? Für Budde und Venth gehören dazu drei notwendige Handlungsschritte, die in jeder dieser Bildungsphasen gegangen werden müssen: Erstens Geschlechtsneutralität aufheben, zweitens über die Stereotypie der dualen Geschlechterdifferenz aufklären und schließlich drittens die Vielfältigkeit von Geschlechterimaginationen handlungsrelevant werden lassen.

 

Andreas Ruffing