Bernd Brüggemann, Frauen und Männer in der Psychiatrischen Tagesklinik. Eine prospektive Untersuchung zu geschlechtsabhängigen Unterschieden in personen- und krankheitsbezogenen Merkmalen. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010. ISBN 979-3-88414-515-9. 130 Seiten.

 

Der sperrige Untertitel verrät es schon: Es handelt sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit, genauer um eine an der Medizinischen Hochschule Hannover eingereichte und angenommene Habilitationsschrift. Ich gestehe, dass ich das Buch mit einer gewissen Distanz in die Hand genommen habe, weil es auf den ersten Blick ja wenig Relevanz für die Männerarbeit zu besitzen scheint. Zu speziell ist die Fragerichtung und so weit weg von der eigenen Praxis der Untersuchungsort. Das stimmt natürlich und trotzdem kommt der Autor zu Ergebnissen, die einem dann doch irgendwie vertraut vorkommen. Ein Beispiel gefällig: Dass das in Tageskliniken weit verbreitete „verbal-, gruppen- und ergo-therapeutische Behandlungsangebot […] häufiger den mit dem weiblichen Geschlecht assoziierten Ressourcen entgegenkommt“ (S.107), wie B. etwas umständlich formuliert, kommt so unerwartet nicht. Dennoch ist es das Plädoyer des Autors zu unterstützen, Geschlecht nicht unabhängig von weiteren personen- und krankheitsbezogenen Merkmalen zu betrachten, um nicht gleich wieder Geschlechterklischees zu produzieren. Es bleibt dabei: Es gibt nicht den Mann und nicht die Frau – auch nicht in der Welt psychiatrischer Tageskliniken. Den differenzierten und differenzierenden Blick braucht es auch hier – und das Buch ist dafür ein guter Beleg.

 

Andreas Ruffing