Günther Anfang (Hrsg.), Von Jungen, Mädchen und Medien. Theorie und Praxis einer geschlechtsbewussten und -sensiblen Medienarbeit (Materialien zur Medienpädagogik 6). kopaed, München 2005. ISBN 3-938028-31-9. 81 Seiten und eine DVD, € 8,00.

 

Das Buch ist Ergebnis einer Fachtagung zum Umgang von Mädchen und Jungen mit Medien in München. „Jungen lieben Seifenopern, Mädchen Ballerspiele“ lautete der ursprüngliche, irritierende Titel der Tagung, der für die Veröffentlichung einer dann doch eher nüchternen – oder soll man sagen: langweiligeren – Überschrift Platz machen musste. Dies ändert jedoch nichts an der Aktualität und Brisanz des Themas. Alle Medien machen nämlich „Gender“ und haben so enormen Einfluss auf Selbstbild und Selbstverständnis von Mädchen und Jungen. Statt dies – wie so oft – nur negativ zu beschreiben und vor Medienkonsum zu warnen, wirbt der Sammelband unmissverständlich für eine genderorientierte Medienpädagogik. Dabei geht es darum, die unterschiedliche Interessenslagen und Nutzungsprofile von Mädchen und Jungen wahrzunehmen und in Modelle praktischer Medienarbeit mit Jungen und Mädchen zu überführen. Anhand dreier Projekte, die beispielhaft beschrieben werden (S. 41-60), und von denen eines – ein Filmprojekt – auf der beiliegenden DVD auch im Ergebnis dokumentiert wird, wird sichtbar, was eine konsequent genderorientierte Medienpädagogik zu leisten vermag. Aus Sicht der Männerarbeit finden zwei Beiträge besonderes Interesse und sind zur Lektüre zu empfehlen: Zum einen der theoretische Artikel von Reinhard Winter „Wenn Jungen fernsehen tun…“ (S.33-40). Winter fragt, welchen Beitrag die Medien und hier insbesondere das Fernsehen bei der Ausbildung und Erprobung männlicher Rollenmuster spielen und kommt zu folgendem Ergebnis: „Genderbezogen bietet das Fernsehen Jungen also zweierlei: Es stellt Geschlecht her und bildet ab, was es an Geschlechtlichem gibt; und es wird konstruktiv benutzt, es besitzt Gendermaterial, Vorbilder und Bewältigungsmuster.“ (S. 38). Von daher muss medienpädagogisches Handeln mit Jungen notwendigerweise genderbezogen erfolgen. Für Medienpädagogen und -pädagoginnen heißt dies, dass sie „die neueren Genderansätze verstehen, einbeziehen und umsetzen“ (S. 40) können sollten. Zum anderen ist der Praxisbericht von Jens Wiemken zu pädagogischen Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Gewaltspielen in der Arbeit mit Jungen (S. 55-60) zu nennen. Gerade diese Computerspiele beunruhigen Eltern und pädagogische Fachkräfte gleichermaßen, gilt doch gerade hier unhinterfragt das Urteil: „Computerspiele machen aggressiv“. Wiemken zeigt auf, wie im Rahmen von Projektwochen mit Jungen solche Spiele aufgegriffen und die Computerwelten in reale Situationen transformiert werden, um sie auf diese Weise kritisch mit den Jungen zu hinterfragen. Der Autor versteht das „Hardliner“-Konzept, so der Name des Projektes, bewusst als Beitrag zur Gewaltprävention und schlägt es deshalb für außerschulische Gruppen, aber auch als Idee für schulische Projektwochen vor – vorausgesetzt freilich, eine Schulung des pädagogischen Personals ist zuvor erfolgt. (vgl. S. 55) Der Sammelband wird abgeschlossen mit einem instruktiven Artikel von Klaus Schwarzer zu Bausteinen einer genderorientierten Medienarbeit (S. 61-68), von denen sich viele auch auf die Männerarbeit übertragen lassen. Ein Literatur- und Linkverzeichnis schließt das Buch ab (S. 69-75). Weil die Publikation auch für die Männerarbeit viele wichtige Erkenntnisse und Anregungen enthält, empfiehlt sich auf jeden Fall ihre Anschaffung!

 

Andreas Ruffing